Past

Identity Spots

Vernissage am 23. Januar 2019 um 19 Uhr Ausstellung vom 24. Januar - 03. Februar 2019

Foto: Daniel Chatard

 

Orte und Geschehnisse formen die Identität: eines Landes, einer Gruppe von Menschen, oder eines Individuums. Manches  schneidet sich in unser Leben ein, markiert einen Wendepunkt und prägt uns von dort an. Bachelor-Absolventen sowie Finalist*innen beim VGH-Fotopreis des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie nähern sich diesen Geschehnissen und Orten an – in höchst unterschiedlichen, persönlichen Herangehensweisen.

In der Serie »Portrait of an Artist as an Old Man« zeigt Mirja Maria Thiel den 81-jährigen Fotografen Fritz Dressler, der seit einigen Jahren an Alzheimer erkrankt ist. Der ehemalige Entwurfsprofessor für Fotografie und »bewegte Bilder« an der Hochschule der Künste in Bremen ist einsam geworden in seinem Heimatdorf Worpswede. Doch das Bewusstsein seiner Selbst – eines Menschen, der sich als Künstler versteht und seine Präsenz dadurch bewahrt – ist immer noch lebendig: »Ich bin nicht tot, ich laufe!«

Navid Bookani erzählt in »On the Run from her Father« von Tahmineh Yousefie, die bei einer Säureattacke durch ihren Vater und ihren Bruder schwere Verletzungen erleidet. Gemeinsam mit ihrer Schwester flieht die junge Frau aus dem Iran nach Hannover und kämpf seitdem tagtäglich gegen die Folgen dieses traumatischen Erlebnisses.

Im Herzen Bayerns lebt die 22-jährige Jessica K. mit ihrer selbstgewählten Familie aus Freunden. Durch Techno, Internet und Drogensucht versuchen diese jungen Menschen in der Welt zurechtzukommen. Alexander Schuktuew wirft mit seiner Bachelorarbeit »JESS« die Frage auf, wie es uns gut gehen kann, wenn wir alles und mehr haben und doch unglücklich sind.

Die Uckermark zählt zu den am dünnsten besiedelten Regionen in Deutschland. In der Gegend im Norden Brandenburgs leben auf einem Quadratkilometer gerade einmal 39 Menschen. In seiner Bachelorarbeit portraitiert Danilo Haferjunge Menschen und fragt sie, was sie in dieser Region hält oder warum sie sich dazu entscheiden, ihre Heimat zu verlassen.

Auch Tobias Brabanskiwidmet sich mit seiner Bachelorarbeit »Make Braunlage Great Again« einem Ort und seinen Bewohnern. Glaubt man den Berichterstattungen über Braunlage, dann könnte man meinen, dem kleinen Ort im Harz ginge es, wie vielen Dörfern und Landkreisen in Deutschland, schlecht. Die Arbeit beleuchtet dagegen das Gefühl der Menschen vor Ort: Wie haben sie die Vergangenheit erlebt und wie ist ihre Sicht auf die Gegenwart? Was sind die Probleme im Ort und welche Lösungen gibt es hierfür?

Mit den benachbarten Tagebauen Garzweiler und Inden bildet Hambach im rheinischen Braunkohlerevier die größte CO2-Quelle Europas. Der mit der Förderung einhergehenden Zerstörung von Dörfern, Feldern und des Hambacher Forsts stellen sich Aktivisten entgegen. In seiner Arbeit »Niemandsland« beschäftigt sich Daniel Chatard mit dem daraus resultierenden Konflikt und setzt ein Zeichen für einen vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle und gegen den fortschreitenden Klimawandel.

Die Arbeit »I Died 22 Times« des VGH-Preisträgers 2018Rafael Heygster handelt von Airsoft, einer Freizeitaktivität, die dem Spielprinzip von Paintball oder Lasertag ähnelt. Was Teilnehmer als Geländesportart bezeichnen, stößt wegen des stark militärischen Charakters mit kriegsähnlichen Szenarien bei Außenstehenden oft auf Ablehnung und Unverständnis. Die Arbeit hinterfragt, wie das Nachahmen von Krieg in einem Land, das seit 1945 offiziell im Frieden lebt, auf ambivalente Weise zu einer Freizeitbeschäftigung werden konnte.

Mit Einblicken in die Gesellschaft Südafrikas zeigen Lando Hass und Lucas Bäuml auf, wie gespalten das Land auch fast 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid noch ist. Besonders deutlich wird dies in der aktuell hoch kochenden Landdebatte, in der es um eine der grundlegendsten Fragen aus Apartheid-Zeiten geht: Wem gehört das Land? Wer darf es seine Heimat nennen? Die Folgen sind politische Instrumentalisierung, Rassismus, sowie Radikalisierung, welche die Gesellschaft noch weiter auseinandertreibt.

In der Serie »The Heart of a Seal« erforscht Lukas Kreibig die Stadt Uummannaq: Eine abgelegene Stadt in einer atemberaubenden Landschaft auf einer arktischen Insel in Westgrönland mit ca. 1300 Einwohnern und mindestens doppelt so vielen Hunden. Traditionen wie die Jagd von Robben und Narwal und der Trommeltanz werden hier seit Generationen betrieben und haben die Kultur geprägt. Doch 2018 war der wärmste Winter in der Arktis seit Anbeginn der Messungen und die Inuit müssen dabei zusehen wie nicht nur das Eis, sondern auch ihre Kultur verschwindet.

In den Arbeiten der Ausstellung »Identity Spots« kristallisieren sich aus Einzelschicksalen Konflikte heraus, die uns alle beschäftigen, auf stets unterschiedliche Weise. Sie machen betroffen, doch bieten auch einen Ansatzpunkt, die Zukunft zu gestalten. Mit ihren Bildsprachen nutzten die Fotograf*innen die Möglichkeit, Menschen für ihre Themen zu sensibilisieren und laden die Besucher dazu ein, ihre eigene Position zu finden.

 

Während eines Spiels steigen Spieler aus einem ausrangierten Opel Corsa. Zu größeren Events bringen einige Teams eigene Fahrzeu- ge mit.Foto: Rafael Heygster

NavidBookani-012 Tahmineh Yusefie, victim of an acid attack, stands on her balcony, smiles and cuddles her dog. In the background we can look inside her living room in her flat in Hanover, Germany, the house opposite is mirrored in the window. July 22, 2016 Significance of the photo: Despite her pain and her past she still has joy, tenderness and hope. What cannot be seen in the picture, is that she abandoned the dog a few days later. So the picture became a symbol for the trauma that left her craving for closeness and at the same time made her so incapable of bonding. Circumstances: Tahmineh invited the photographer for dinner at her flat in Hanover, Germany. They sat talking, when she played with the puppy he took pictures.Foto: Navid Bookani

South Africa, Soshanguve, 11.09.2018 // Landgrabbs are occurring more often lately. In this instant, like in many others, the police refused to clear the settlement, so the Red Ants eviction-service was called in. Workers of the Red Ants security group found drinking water in a house they demolished. Instantly a wrangle for the drinking water occurred. // Lucas BäumlFoto: Lucas Bäuml

Niemandsland_2000px-7Foto: Daniel Chatard

MMT_Portrait of an Artist as an Old Man_03Foto: Mirja Maria Thiel

Uummannaq means a heart-shaped mountain. In this case, it‘s not a human heart the Inuit talk about—it‘s the heart of a seal. At the foot of this mountain, 590 km² north of the Polar Circle in western Greenland, lies a town with the same name: Uummannaq. A remote island inhabited by 1325 individuals, the village is connected only by ships and a helicopter to the outside world.Foto: Lukas Kreibig

Tobias_20170215_81453Foto: Tobias Brabanski

 

Alexander Schuktuev_JessFoto: Alexander Schuktuew

15112018_3698bFoto: Danilo Hafer

Past

Dima-Ein Leben im Leistungssport

Vernissage am 19. Dezember 2018 um 19 Uhr Ausstellung vom 20. Dezember - 13. Januar 2019

Fotos: Michael Neugebauer

An Heiligabend und Silvester bleibt die Galerie geschlossen. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag sowie an Neujahr haben wir aber regulär von 12-18 Uhr für Sie geöffnet.

Große Triumphe und schmerzliche Niederlagen: Der Judokämpfer Dimitri Peters, Spitzname »Dima«, ist mit beidem vertraut. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann Peters überraschend die Bronzemedaille, verpasste aber vier Jahre später die Qualifikation für die Spiele in Rio des Janeiro. Immer dabei war Fotograf Michael Neugebauer, der Peters seit sieben Jahren begleitet und mit seinen Bildern einen unmittelbaren Blick auf eine aufreibende Leistungssportkarriere ermöglicht.

Das Fotoprojekt »Dima« zeigt seinen Lebensweg in vielfältigen Momentaufnahmen und sucht auch den Blick über den sportlichen Tellerrand. Peters ist ein leidenschaftlicher Familienmensch und hat schon als Aktiver seine weitere berufliche Karriere bei der Berufsfeuerwehr geplant. Als Russlanddeutscher, der im Alter von acht Jahren aus Sibirien in die Bundesrepublik kam, dient er zudem als Symbolfigur für eine gelungene Integration in und durch den Sport.

Dimitri Peters kam über die Durchgangslager Friedland und Kiel nach Rotenburg an der Wümme. Schnell lernte er Deutsch und probierte einige Sportarten aus, wie Leichtahletik, Karate und Fußball. Schließlich landete er beim Judo. Diese Sportart sollte sein Leben die folgenden 20 Jahre entscheidend bestimmen. Zu seinen größten Erfolgen gehörten der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in London und bei den Weltmeisterschaften 2013 in Rio de Janeiro 2013 und 2015 in Astana. Seine größte Enttäuschung war sicherlich die Nichtberücksichtigung bei den Olympischen Spielen in Rio, wo nur ein deutscher Sportler zugelassen war. Im September 2017 hängte Dimitri Peters seine aktive sportliche Laufbahn an den Nagel. Heute absolviert er eine Ausbildung zum Notfallsanitäter/Brandmeister bei der Berufsfeuerwehr Hannover.

Der 49-jährige Fotograf Michael Neugebauer lebt und in Hannover. Zuvor hat er mehrere Ausbildungen absolviert und verschiedene Berufe ausgeübt, bevor er sich der Fotografie zuwandte. Eine geschenkte Revueflex entfachte die Leidenschaft. Nach zwei Jahren Praktika bei Industrie- und Werbefotografen machte er 1994 eine Ausbildung zum Fotografen. Seit 1997 arbeitet er freiberuflich und realisiert neben seiner beruflichen Fotografie unterschiedliche Ausstellungsarbeiten und Projekte.

Seine Auftragsarbeiten umfassen zahlreiche Künstlerportraits, insbesondere von Schauspielern und Musikern. Einem größeren Kreis wurde er erstmals durch sein Buch »Sommersprossen« bekannt, dass 2001 in der Edition Stemmle erschienen ist. Seine freien Arbeiten zeigen Landschaften, Stadtansichten und immer wieder Portraits. 2009 wendete er sich erstmals der dokumentarischen Fotografie zu und begleitete die Triathletin Lena Brunkhorst ein Jahr lang. Durch diese Arbeit gerieten immer mehr Sportler in seinen Fokus, bis er schließlich im Jahr 2011 den Judoka Dimitri Peters traf.

Dima 02_GAF

Dima_DM in Riesa_2013

Dima 01_GAF

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Dima_Postkarte_03

Past

The Kazakhstan Project

Vernissage am 7. November 2018 um 19 Uhr Ausstellung vom 08. November - 09. Dezember 2018

Fotos: Dieter Seitz

Dieter Seitz fotografische Arbeit über Kasachstan ist die Geschichte einer Suche, die sich von 2009 bis Ende 2016 hinzog. Doch war dieser Zeitraum für ihn nur die intensive, fotografische Schlussphase einer Auseinandersetzung, die lange zuvor begonnen hatte.

Weshalb Kasachstan?

Dabei ging es Dieter Seitz zum einen um die Auseinandersetzung mit den dramatischen Umbrüchen der ehemals staatssozialistischen Gesellschaften und der Transformationsforschung der 1990er-Jahre. Zum anderen gab es Begegnungen mit Menschen dieser Länder, die dem Geschehen dort ein Gesicht verliehen hatten. Und nicht zuletzt waren es Romanfiguren wie die des Kirgisen Tschingis Aitmatows, sowie Schauplätze seiner Erzählungen in den Weiten Zentralasiens. Bereits Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte er weitsichtig und couragiert die großen Zivilisationskonflikte der Zeit, wie das spannungsreiche Verhältnis von Tradition und Moderne thematisiert. Vieles davon scheint heute – unter veränderten Vorzeichen – erneut an Aktualität zu gewinnen.

Ziel des Kasachstan-Zyklus von Dieter Seitz ist, die Spuren dieser Entwicklung mit Mitteln künstlerisch-dokumentarischer Fotografie festzuhalten und zu interpretieren. Woran macht sich Identität fest? Worin spiegelt sich die Transformation einer Gesellschaft kulturell wieder?

Kasachstan, das nach Fläche neuntgrößte Land der Welt, ist hierzulande ein weißer Fleck auf der Landkarte. Seine Kultur und ihre Entwicklung, sind ganz wesentlich im Zusammenwirken von drei großen kulturellen Strömungen zu begreifen: der traditionell-kasachischen Volkskultur, des Kulturerbes der sowjet-sozialistischen Ära sowie der Kultureinflüsse der westlich-kapitalistischen Moderne. Diese drei Kulturströme mischen sich auf ganz eigentümliche Weise. Immer, wenn man glaubt, die Dominanz der Sowjetära in einer Stadt, an einem Ort noch ganz deutlich zu spüren, dann tauchen daneben auch ganz andere Einflüsse und Symbole auf, kasachische, turkmenische oder die des westlichen Konsum-Kapitalismus.

Vor dem Hintergrund dieser Koordinaten werden von Dieter Seitz mit subjektivem Blick, Kultur und Alltag Kasachstans vermessen. Es gelingt ihm auf sensible Weise, jenseits der Stereotypen post-sowjetischer Folklore, die kulturelle Topografie einer der größten Transformationsgesellschaften im Herzen Eurasiens nachzuzeichnen.

 

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