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Von den Spuren einer Suche

Abschlussarbeiten des Studiengangs »Fotojournalismus und Dokumentarfotografie« der HS Hannover Ausstellung vom 23. Juni - 03. Juli 2022

Foto: Jan A. Staiger & Malte Uchtmann

Eröffnung am 22. Juni um 19 Uhr

Die Bachelorabsolvent*innen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie begeben sich in diesem Sommersemester auf Spurensuche und finden ganz individuelle Wege, die Spuren ihrer Suche im fotografischen Medium sichtbar zu machen.

So folgt Carsten Kalaschnikow mit seinem Projekt ‚Bakunawa‘ den Spuren vorkolonialer Mythen auf den Philippinen. Das Projekt ist eine Auseinandersetzung sowohl mit dem Fremden als auch mit dem Bekannten, denn die Mutter des Fotografen wurde auf den Philippinen geboren und sozialisiert.

Khalid Aziz spürt den Namen von WLANs (SSID) nach, um die Menschen dahinter zu finden und sie mithilfe eines Porträts und einer Fotografie aus ihrem persönlichen Wohnraum zu enträtseln.

Mit der Rückkehr zum Mond und den damit zusammenhängenden Forschungen beschäftigt sich Susanne Baumann. Im Zentrum ihres Projekts steht ein simulierter Mondaufenthalt, den die Fotografin als ‚Analog-Astronautin‘ begleiten durfte.

Jan Nasemann widmet sein Filmprojekt dem Prozess der Propriorezeption, die uns die Mobilität im Raum sichert und den wenig bekannten, aber lebensnotwendigen Sinn über die Lage des eigenen Körpers im Raum beschreibt.

Unter dem Titel ‚Der stille Himmel‘ geht Philip Bartz dem Verschwinden der Wildvögel nach. Hierzu dokumentiert er die Arbeit des Komitees gegen den Vogelmord, eines europaweit agierenden Vereins, der sich dem Schutz der Zugrouten von Zugvögeln verschrieben hat.

Gustav Lorenz begleitet eine Gruppe junger Erwachsener am äußersten Stadtrand von Freiburg auf ihrer Suche nach einer anderen Form des Zusammenlebens. Der Ort, den er findet, ist kein utopischer, der sich nie erreichen lässt, sondern vielmehr ein Sehnsuchtsort, der sich zwischen Idealen und gesellschaftlichen Anforderungen manifestiert.

In vielen Arbeiten wird ein Verschwimmen der Grenze zwischen Fiktion und Realität spürbar. So nimmt etwa das Gemeinschaftsprojekt ‚Das perfekte Verbrechen: Zur Ermordung der Realität‘ von Jan A. Staiger und Malte Uchtmann die Allgegenwärtigkeit des fiktiven Mords im deutschen Krimi zum Ausgangspunkt, um zu untersuchen, inwiefern vermeintliches Wissen über Kriminalität und Polizeiarbeit durch fiktionale Darstellungen entsteht.

 

Gezeigt werden Arbeiten von:

Khalid Aziz

Philip Bartz

Susanne Baumann

Carsten Kalaschnikow

Gustav Lorenz

Jan Nasemann

Jan A. Staiger

Malte Uchtmann

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Im Pott

Brigitte Kraemer Ausstellung vom 05. Mai - 12. Juni 2022

Die Nähe zum Menschen war schon immer das, was Brigitte Kraemer interessierte und da war ihr das Ruhrgebiet, aus dem sie stammt und dessen Sprachkolorit die 67-jährige bis heute nicht abgelegt hat, als Arbeitsfeld viel gelegener als andere, vielleicht fotogenere Gegenden. Denn hier kennt sie sich aus und hier fühlt sie sich den Menschen nahe, die sie  fotografiert.

Und noch eines kam ihr bei der Konzentration auf das Ruhrgebiet entgegen. Im Ruhrgebiet aber, wo sich die Orte mit ihren insgesamt 5,1 Millionen Einwohnern aneinander  drängen wie Urlauber am Badestrand, da gibt es so viele Museen, Galerien, Kommunen, Kultureinrichtungen, Stiftungen usw., dass Sie immer Abnehmer für ihre zumeist frei produzierten und selbstgewählten Themen findet.

Man kann die Art und Weise, mit der Brigitte Kraemer ihre Bilder fotografiert, mit Fug und Recht »klassisch« nennen. Zumeist mit der Leica aufgenommen und einem 35mm-Objektiv. Und immer nahe dran, gemeint im doppelten Sinn der Worte. Dabei ist ihre Nähe zu den Protagonisten aber nicht nur eine Frage räumlicher Distanz, sondern vor allem emotionaler Verbundenheit. In ihren Bildern wird deutlich was Annie Leibowitz meinte, als sie sagte: »Fotografie ist eine Liebesaffäre mit dem Leben.« Und das fotografiert Brigitte Kraemer, wo es sich anbietet, auch mit einem Augenzwinkern.

So entstanden ihre bekanntesten Arbeiten wie Mann und Auto, Am Kanal, Die Bude oder Camper im Ruhrgebiet, von denen Bilder in der GAF gezeigt werden. In ihnen gelingt ihr eine treffende Visualisierung der Menschen im Pott.

Brigitte Kraemer hat an der Folkwangschule für Gestaltung, Gesamthochschule Essen im Studiengang Visuelle Kommunikation studiert, u.a. bei Willy Fleckaus (Layout) und Angela Neuke (Fotografie). Von 1983 bis 1991 war sie mit Michael Wolf, Wolfgang Staiger und Marc Izikowitz Gesellschafterin der Fotografenagentur »Antrazit«. Seit 1982 ist sie als freie Fotografin im Ruhrgebiet tätig. In ihrem langen Berufsleben erhielt sie für ihre Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen, u.a. zwei LeadAwards in Gold und Silber für die stern-Reportage »Auf ein neues Leben« im Jahre 2005 und für »Mann und Auto« den Fotobuchpreis 2008.

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Absolut Cuba

Raúl Cañibano Ausstellung vom 17. Februar - 20. März 2022

Für den normalen Besuch während der Öffnungszeiten gilt bei uns aufgrund der Verordnung des Landes die 2G-Regelung inkl. (FFP 2-)Maskenpflicht.

Max. 30 Person gleichzeitig in der Galerie

Dem Enthusiasmus des österreichischen Verlages Edition Lammerhuber können wir uneingeschränkt zustimmen, der die fotografische Arbeit »Absolut Cuba« von Raúl Cañibano im letzten Jahr verlegte und wie folgt ankündigte: »Die ultimative Liebeserklärung von Raúl Cañibano – einem der begnadetsten Fotografen Lateinamerikas – an seine Heimat Kuba! Bilder von Tradition, Glück, Tragödie und Magie: Schöner, klüger, sinnlicher und besser kann man das Lebensgefühl der größten Insel der Karibik nicht fotografieren.« Folglich erschien das Buch auch in der Verlagsreihe »Visual Poetry« des schon mehrfach mit dem FEP European Book Prize of the Year ausgezeichneten Verlages.

Jetzt zeigen wir den Fotografen erstmalig in einer Ausstellung in Hannover.

1961 in Havanna geboren, arbeitete er erst als Schweißer in der zivilen Luftfahrt, ehe er seine Leidenschaft für die Fotografie entwickelte. Mittlerweile wurden seine Arbeiten weltweit ausgestellt, darunter in der Casa de las Americas in Madrid, im Royal National Theatre in London, beim Arles Festival in Frankreich, dem Nordic Light International Festival of Photography in Norwegen, im Frankston Arts Centre in Australien und in den New Yorker Galerien Robert Mann und Throckmorton Fine Art.

Cañibano überwältigt den Betrachter mit seinem besonderen Blick, selbst da, wo scheinbar schon alles bekannt ist. Im ganz normalen Alltag des urbanen Lebens gewinnt er den Motiven eine Magie ab, die oft ins Surreale geht. Das macht ihn zu einem der herausragendsten Fotografen Lateinamerikas und knüpft auf visuelle Art an die Literatur des magischen Realismus von Márquez und an die Malerei Frida Kahlos an.

Sein Werkblock »Tierra Guajira« ist die Würdigung des kubanischen Bauern. »Meine Absicht ist es, eine Lebensweise zu dokumentieren, die im Laufe der Jahre verblassen könnte, sowie die Veränderungen, die sich im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung ergeben«, sagt er über diese Arbeit. »Was ich erreichen möchte, ist, den Edelmut, die Vertrautheit und die Freundlichkeit der kubanischen Bauern einzufangen.« Das fotografiert er ohne Sentimentalität und Melodrama, aber mit einer gewissen Art von Ergriffenheit. Und daneben hat seine Arbeit auch einen anthropologischen Charakter, da er Leben und Bräuche dokumentiert, die mit der Entwicklung Kubas verloren gehen könnten. Nach Meinung der spanischen Kuratorin Mabel Llevat schafft es Raul Cañibano, »den Geist der kubanischen Nation in seinen Fotos festzuhalten, ihr Glück und gleichzeitig ihre Tragödien, ihre Traditionen und Sitten«. Und die 2011 verstorbene Kunsthistorikerin und Museumsdirektorin Erika Billeter sagte über seine Kuba-Bilder, »Er betrachtet die Wirklichkeit hinter Dunst und Schleiern und als Schattenfigur. Das macht den unwiderstehlichen Zauber dieser Fotografien aus.«

Gemeinsam mit Bildern aus den Serien »Ciudad«, »Fe por San Lázaro« und »Ocaso« lässt uns Raúl Cañibano das Herz und die Seele Kubas auf sinnliche Weise spüren. Seine Bilder sind Identitätsstiftend und wahrhaftig. Sie sind auch ein Bekenntnis Cañibanos zu seiner Heimat, das deutlicher nicht sein: „Kuba ist ein fantastisches Land für Dokumentarfotografie und jeden Tag danke ich Gott für mein Leben…aber nur, wenn ich für immer in Kuba leben kann.“ Eine einzigartige Liebeserklärung eines außergewöhnlichen Fotografen und Menschen.

002_T-001-Chambas-2017

007_T-009-Playita-de-Cajobabo-2005

015_Habana-2008

016_T-006-Vinales-2007

078_T-0026-Caibarien-2018