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Theater des Lebens

Vernissage am 12. Februar 2020 um 19 Uhr Ausstellung vom 13. Februar - 15. März 2020

Foto: Konrad Lippert

 

100 Straßenfotografien zeigt die Fotogalerie GAF als Resultat eines Open Call für diese Ausstellung. Insgesamt waren auf dem Server der Galerie Bilder von 221 Fotografinnen und Fotografen eingegangen, aus dem das Kuratorenteam der GAF einhundert Fotos von 50 Fotografinnen und Fotografen für die Ausstellung ausgewählt hat.

Dabei ging es den Kuratoren neben der Qualität der Arbeiten auch um eine inhaltliche und formale Vielfalt. So zeigt »Theater des Lebens« neben klassischen Straßenfotos, wie sie schon in den 50er, 60er und 70er Jahren von Helen Levitt, Joel Meyerowitz und Robert Frank fotografiert wurden, auch ganz andere Darstellungsformen, wie etwa in dem aseptischen Konstruktivismus von Henner Rosenkranz, den 140-Grad Panoramen des Berliner Fotografen Frank Silberbach, der dörflichen Poesie von Boris Register oder den krachend-farbigen Überlagerungen des internationalen Shooting-Stars unter den Straßenfotografen, Gustavo Minas.

Die Straßenfotografie gehört zu den jüngeren Genres der Fotografie und erlebte ihre erste Blütezeit in der Ära der prosperierenden städtischen Zentren wie New York, Chicago oder London, obwohl der Berliner Zeichner Heinrich Zille und der französische Fotograf Eugene Atget schon vorher auf der Straße fotografiert haben. In den 90er Jahren ist es dann ein wenig ruhiger geworden um die Straßenfotografie, ehe sie mit Beginn des neuen Jahrtausends und seit der massenweisen Verbreitung des Smartphone einen wahren Boom erlebt. Und das trotz einer sehr unklaren rechtlichen Grundlage.

Zwar ist das Fotografieren auf der Straße auch in Deutschland nicht verboten, aber schwierig wird es dann mit dem Veröffentlichen. Hier schützt die Fotograf*innen nur das Kunsturhebergesetz, das vor Gericht aber sehr unterschiedlich ausgelegt wird. Schließlich geht es dabei um die Antwort auf die Frage: Was ist Kunst?

Die Straßenfotografie gehört zu den schwierigsten Feldern der Fotografie. Denn sie verlangt von den Fotograf*innen nicht nur die Überwindung psychischer Barrieren. Denn wer hat es schon gern, wenn auf einen ungefragt mit der Kamera angelegt wird? Gerade aber die Authentizität ist es, die bei den meisten Motiven unerlässlich ist und die das vorherige Fragen um die Erlaubnis verbietet, denn das würde die einmalige Situation auf der Straße unwiderbringlich zerstören.

Die Themen, die auf der Bühne Straße gespielt werden, sind nie gestellt, geprobt oder geplant. Vorauszusehen oder erwartbar: ja, manchmal. Aber eigentlich müssen sie sich ergeben. Einfluss nehmen kann man nur auf jenen Ausschnitt öffentlichen oder halböffentlichen Raums, den man sich als Bühne wählt. Wer dann aber die Bühne betritt, das hängt vom Zufall ab. Der Straßenfotograf ist somit eher ein Entdecker als ein Schöpfer. Er kreiert seine Motive nicht, er fördert sie vielmehr zu Tage und macht sie mit seinen Bildern öffentlich. Und gerade die Unmittelbarkeit des festgehaltenen Augenblicks verlangt von den Fotograf*innen, das sie zahlreiche Parameter so gut und schnell wie möglich in Deckung bringen müssen, sonst ist die Szene vorbei: Augenblick, Standort, Perspektive, Brennweite, Tiefenschärfe.

Zurzeit lebt etwa die Hälfte der Menschheit in Städten. Tendenz steigend. Das schreit geradezu nach der ungekünstelten fotografischen Auseinandersetzung mit der Urbanität. Die Straßenfotografie ist dazu ein adäquates Mittel und vielleicht erklärt das auch deren wachsende Bedeutung, besonders unter jungen Fotografen.

Fotograf*innen: Reimund Belling, Petar Beres, René Budde, Christian Burkert, Daniel Chatard, Rui Miguel Cunha, Jesco Denzel, Thomas Deutschmann, Stefan Enders, Michael Galian, Emil Gataullin, Niklas Grapatin, Nonzuzo Gxekwa, Kirsten Haarmann, Nanna Heitmann, Rafael Heygster, Eva-Maria Horstick, Martynas Katauskas, Christoph Kellner, Silke Kirchhoff, Jens F. Kruse, Moises Levy, Konrad Lippert, Rudi Meisel, Kay Michalak, Jan Michalko, Gustavo Minas, Jörg Modrow, Fabian Mondl, Jörg Müller, Sascha Niethammer, Rolf Nobel, Dirk Opitz, Boris Register, Bernd Reinert, Bernd Rodrian, Frank Röth, Henner Rosenkranz, Frank Schinski, Michael Schoberth, Fabian Schreyer, Frank Silberbach, Ole Spata, Rob Stothard, Jürgen Strasser, Marylise Vigneau, Kay von Aspern, Martin von den Driesch, Patrick Wendt, Isabel Winarsch, Adam Wist, Yi Yin, Jan Zychlinski.

Deutschland, Bremen, 23.04.1998: An der Schlachte, Weserufer © Kay Michalak/FotoetageFoto: Kay Michalak

Film 11Foto: Bernd Rodrian

PatrickWendt_Marokko_2019Foto: Patrick Wendt

CSSR_Elbe_Jahrmarkt in RoudniceFoto: Rolf Nobel

EPSON scanner imageFoto: Reimund Belling

A man in a hat is seen in front of commuters' shadows at Rodoviaria do Plano Piloto, the central bus terminal in Brasilia, Brazil.Foto: Gustavo Minas

Strandleben_09_Cycle of lifeFoto: Moises Levy

Cuba / Havana/ 2019 / On the mythical Malecón Avenue and seawall, these young twin sisters struggle to follow their father who took them along while jogging and ran out of the frame. Due to the collapse of Venezuela and the Trump administration’s tightening of the decades-old embargo on Cuba, September 2019 was marked by fuel shortages all over the island nation and the roads were even emptier than usually. © Marylise Vigneau / AnzenbergerFoto: Marylise Vigneau

Martynas Katauskas Manhattan,NY 2016Foto: Martynas Katauskas

Exotik_050__MG_1340-BearbeitetFoto: Jesco Denzel

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allesun[d]ordnung

Vernissage am 22. Januar 2020 um 19 Uhr Ausstellung vom 23. Januar - 02. Februar 2020

Foto: Lucas Wahl, Julius Schrank

 

Entgegen den üblichen Öffnungszeiten ist diese Ausstellung während der gesamten Laufzeit täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet!

 

Ausstellung der Bachelor-Absolvent*innen 2020|1 des Studiengangs Fotojournalismus & Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover

 

Regeln, Ordnungen und Systeme sind die Grundlage jeder Gesellschaft. Aber wie genau sehen diese Ordnungen aus, wie erschließt man sie und wie entflieht man ihnen? Wen fangen sie auf und wer fällt durch’s Raster? Und was, wenn genau diese etablierten Systeme, die Lösungen bieten sollen, ein Problem sind? Neun Student*innen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie nehmen in ihren Abschlussarbeiten die [Un]Ordnung der Welt in den Fokus.

 

Nach einem Schlaganfall mit Gehirnblutung, wird Oleg (46 Jahre) von seinen in Deutschland lebenden Halbschwestern in Russland gepflegt. In der Arbeit Alles wird gut, Oleg begleitet Fabian Fiechter die Geschwister und gibt einen intimen Einblick in die Herausforderung der Pflege von Angehörigen in einem Land mit ausgeprägt mangelndem Versorgungssystem.

Anett Findeklee geht in ihrer Arbeit Alle an einen Tisch der Frage nach, wie Integration funktionieren kann und berichtet über die Anstrengungen von aus Afghanistan, Syrien und der Elfenbeinküste geflüchteten Menschen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.

In seinem Abschlussprojekt Die Ordnung der Dinge setzt sich Volker Crone mit dem Drang des Menschen auseinander, die Welt und alles in ihr verstehen zu wollen. Im Fokus dieser Arbeit stehen aktuelle erkenntnisorientierte Wissenschaftsdisziplinen, von denen der Fotograf einige besucht hat, um ein Bild dieser Suche nach Erkenntnis zu zeichnen.

Fünf Jahre nachdem das erste zivile Rettungsschiff Kurs auf’s zentrale Mittelmeer nahm, zieht Chris Grodotzki in seiner Arbeit POS ein Zwischenfazit: Zwischen Held*innen-Pathos und Kriminalisierung, humanitärer Verantwortung und politischem Aktivismus erkundet der Fotograf die Häfen des Mittelmeeres als symbolische Schlachtfelder und besetzt sie als Orte der Reflexion.

In seiner Videoarbeit Iyabo setzt sich Dustin Weiss am Beispiel der parteilosen Oberbürgermeister-Kandidatin Iyabo Kaczmarek mit politischer Teilhabe auseinander und dokumentiert den Wahlkampfalltag und die auftretenden Schwierigkeiten, die eine Kandidatur ohne Partei mit sich bringt.

Marvin Ibo Güngör betrachtet in seiner Arbeit Berlin Exiles Exilanten und Exilantinnen und hat sich dafür in die deutsche Hauptstadt begeben, die mitunter als das „neue Damaskus“ bezeichnet wird. Er beschäftigt sich dabei mit den Herausforderungen und Lebenssituationen unterschiedlicher Exilant*innen, die aus politischen, kulturellen oder persönlichen Gründen nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können.

In ihrer Arbeit Coalscapes begeben sich Lucas Wahl und Julius Schrank auf eine fotografische Reise in die deutschen Braunkohletagebaue. Aus der Vogelperspektive dokumentieren sie den jahrzehntelangen Raubbau an der Natur. Neben abstrakten Luftaufnahmen ermöglichen sie es dem Betrachter, mit Hilfe von Virtual Reality Technologie, in die Welt des schwarzen Goldes einzutauchen und ein Gefühl für Dimension und Bedeutung der Braunkohle zu bekommen.

Jeder Mensch besitzt die Freiheit das zu tun und der zu sein, der er sein möchte. In der Portraitserie Landed stellt Laura Ludwig Personen vor, die mit viel Energie und Leidenschaft einem fantastischen Hobby nachgehen: Live Action Role Play.

 

Jamal Ali, Musiker aus Aserbaidschan. Marvin Ibo Güngör hat sich für seine Arbeit Berlin Exiles in die deutsche Hauptstadt begeben, die mitunter als „Exil-Hauptstadt“ und das „neue Damaskus“ bezeichnet wird. In seiner Serie beschäftigt er sich dabei mit den Herausforderungen und Lebenssituationen unterschiedlicher Exilantinnen und Exilanten, die aus politischen, kulturellen oder persönlichen Gründen nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren können. Foto: Marvin Ibo Güngör

Foto: Marvin Ibo Güngör

Mohammad Ahmad unterstützt seine Frau Lourin bei den praktischen Fahrstunden. Der Syrer übt mit ihr das Schalten in die verschiedenen Gänge.

Foto: Anett Findklee

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Foto: Chris Grodotzki

Um etwas Abwechslung vom Alltag im Krankenhaus zu bekommen, geht Linda mit ihrem Bruder im Rollstuhl in der Stadt spazieren. Nach einem Schlaganfall mit Gehirnblutung, wird Oleg (46 Jahre) von seinen in Deutschland lebenden Halbschwestern in Russland gepflegt. In der Arbeit "Alles wird gut, Oleg" begleitet Fabian Fiechter die Geschwister und gibt einen intimen Einblick in die Herausforderung der Pflege von Angehörigen in einem Land mit ausgeprägt mangelndem Versorgungssystem. © Fabian Fiechter Alle Rechte vorbehalten , Veroeffentlichung nur gemäß meiner AGBs, Honorar, Urhebervermerk und Belegexemplar

Foto: Fabian Fiechter

Filmstill aus der Bachelorarbeit "Iyabo" von Dustin Weiss

Filmstill: Dustin Weiss

Horror Bunny landed on a railing

Foto: Laura Ludwig

MAX-PLANCK-INSTITUT FUER RADIOTELESKOPIE EFFELSBERG

Foto: Volker Crone

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VGH-Fotopreis 2019

Preisverleihung & Vernissage am 04. Dezember 2019 um 19 Uhr Ausstellung vom 05. Dezember - 12. Januar 2020
Foto: Jan Richard Heinicke

An Heiligabend und Silvester bleibt die Galerie geschlossen. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag sowie am Neujahrstag haben wir aber regulär von 12-18 Uhr für Sie geöffnet. 

 

Der VGH-Fotopreis 2019 geht an Jan Richard Heinicke für seine Arbeit »Melting Point«, die sich mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt.

Noch nie war die Ausdehnung des arktischen Meeres im Monat Juni so gering wie 2019. Keine Region der Erde heizt sich schneller auf, als die Arktis. Die Erwärmung beträgt hier das Doppelte, stellenweise das Vierfache des globalen Mittels. Neben dem schwindenden Meereis sorgen sich Klimaforscher vor allem um den grönländischen Eispanzer. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Eisverlust auf Grönland vervierfacht. Für seine Arbeit ›Melting Point‹ hat Jan Richard Heinicke ein Team von Meeresforschern auf ihrer Expedition entlang der Ostküste Grönlands begleitet und brilliert mit einer modernen und innovativen Herangehensweise, der es gelingt, ein zentrales Thema unserer Zeit poetisch und zugleich zutiefst journalistisch einzufangen. Als Gewinner des VGH-Fotopreises erhält Jan Richard Heinicke ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Website Jan Richard Heinicke

Eine lobende Erwähnung für ihre Arbeiten erhielten als Finalist*innen des Juryprozesses:

Andy Happel | »While the moonlight showers upon my dark robe«

Nanna Heitmann | »Hiding from Baba Yaga«

Jana Mai | »Die Nachfahren der Wölfe«

Ole Spata | »Artefakte einer Teilung«

Stefanie Silber | »Das ewige Nesthäkchen«

Der VGH-Fotopreis ist mit 10.000 Euro bundesweit eine der höchstdotierten Auszeichnungen im Bereich Fotografie. Seit 2008 wird er ausschließlich unter den Studierenden des Studiengangs ‚Fotojournalismus und Dokumentarfotografie‘ der Hochschule Hannover (HsH) vergeben. Mit ihrer exklusiven Förderung unterstützt die VGH den international renommierten Studiengang, der über einen deutschlandweit einmaligen Schwerpunkt im Bereich des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie verfügt. Neben der Vermittlung klassischer, bildjournalistischer Bildsprachen richtet sich der Fokus des Studiengangs auf aktuelle Perspektiven des Dokumentarischen und eine zukünftige Praxis bildjournalistischer Visualisierungen.

„Wir freuen uns sehr über das langjährige Engagement der VGH für unseren Studiengang, das uns die Möglichkeit gibt, die hervorragende Arbeit unserer Studierenden über die Grenzen der Hochschule hinaus publik zu machen und finanziell zu fördern“, sagt Prof. Dr. Karen Fromm, Professorin des Studiengangs und Koordinatorin des VGH-Fotopreises.

Insgesamt hatten sich 36 Studierende mit unterschiedlichsten Themen und Erzählstilen um den Preis beworben. Mit der Verleihung des Preises ist eine Ausstellung der Preisträger-Arbeit sowie der Finalist*innen des Juryprozesses in der GAF–Galerie für Fotografie verbunden. Die Ausstellungseröffnung und Preisverleihung des VGH-Fotopreises findet am Mittwoch, den 4. Dezember 2019 um 19 Uhr in den Räumen der GAF–Galerie für Fotografie in Hannover statt.

Der Fachjury, die über die Vergabe des VGH-Fotopreises entscheidet, bestand in diesem Jahr aus Thorsten Gerke, Bildredaktion des SPIEGEL; Lars Lindemann, Fotochef von GEO Amelie Schneider, Leiterin der Bildredaktion DIE ZEIT; Barbara Stauss, Bildredaktion mare und Reporter ohne Grenzen; Michael Thomas, Cheffotograf der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung; Andreas Trampe, Leiter der Bildredaktion des STERN und Alexandra Bartsch als Vertreterin der VGH.

„Das Niveau der diesjährigen Einreichungen zum VGH-Preis war erfreulich hoch. Zum Ende der Jurysitzung galt es aus noch sechs nahezu perfekten Arbeiten, den Gewinner zu ermitteln – keine leichte Aufgabe. Jan Richard Heinickes Wissenschaftsreportage ›Melting Point‹ setzte sich aufgrund der sowohl journalistisch als auch künstlerisch sehr hohen Qualität und des gelungenen Zusammenwirkens von Portraits, Stilleben und Sense of Place-Motiven durch.“, so Lars Lindemann, Fotochef von GEO.

Andy_Happel_VGH_1Foto: Andy Happel

Nanna_Heitmann_VGH_1Foto: Nanna Heitmann

Jana_Mai_VGH_1Foto: Jana Mai

Ole_Spata_VGH_2Foto: Ole Spata

Stefanie_Silber_VGH_2Foto: Stefanie Silber