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Hashtags Unplugged – Von Lastern und Leitmotiven

Vernissage am 16. Oktober 2019 um 19 Uhr Ausstellung vom 17. Oktober - 24. November 2019

Fotos: Florian Müller

Likes, Follower und Reposts sind heute die messbaren Parameter des sozialen Erfolgs. Es scheint kaum eine Nische zu geben, sei sie auch noch so kontrovers besetzt, die nicht irgendwo ihren tosenden digitalen Applaus in den sozialen Netzwerken bekommt. Kurzlebige Schönheitsideale, eine ungezügelte Sexualität und maßlose Selbstoptimierung werden in der postprivaten Öffentlichkeit sozialer Netzwerke zur Aufwertung der eigenen Existenz gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr.

Die Laster von einst sind zu den Leitmotiven im Jetzt geworden. Doch Instagram ist nicht nur das Sündenbabel einer Generation von Hedonisten und Narzissten, die den Exzess auf dem Scheiterhaufen der Moral feiert, es ist auch der Ort, an dem sich Andere abwerten, um ein wenig Menschlichkeit in Form von Zuspruch und Mitgefühl zu erhaschen, die in der echten Welt nicht für sie vorgesehen scheint. Wieder Andere vermitteln mit ihren Bildern die Sehnsüchte nach einer besseren Welt. Das Credo des Selbstdarstellungskults unserer Tage scheint zu lauten: Wir haben alle Freiheiten. Wir müssen uns nur entscheiden, wer wir sein wollen.

Auf der sinnstiftenden Suche nach sich selbst nehmen viele Instagrammer eine Identität an, die oft schonungslos auf ihr Selbst in der Realität zurückwirkt. Die neue öffentliche Selbstenthüllung und Erzähllust brechen das einstige Konzept von Privatsphäre. Alle wollen herausstechen, gesehen werden, bedeutsam sein und mäandern unter der wachsamen Beobachtung ihrer Follower zwischen exzentrischen und konformistischen Ideen ihrer selbst hin und her. Zwischen grellbuntem Eskapismus und fahlgrauer Alltagsödnis, Thigh Gap und Gender Gap, Kätzchen und Zimmerpflanzen ist alles möglich. Hauptsache, es gibt ein Bild davon.

Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter studierte der 1982 geborene Florian Müller an der Hochschule Hannover, an der er seit 2015 als Lehrbeauftragter im Studiengang „Fotojournalismus und Dokumentarfotografie“ tätig ist. Neben der freien Arbeit für Redaktionen, Nichtregierungsorganisation und Stiftungen, treibt er teils aufwändige selbstinitiierte Fotoprojekte voran. Dabei steht für ihn immer die individuelle Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten im Fokus, ohne dass er dabei das gesellschaftliche große Ganze aus dem Auge verliert.

»Hashtags Unplugged« wurde durch ein Stipendium der Kulturstiftung der VG Bild Kunst unterstützt.

Selfie of @draphiee showing fragments of her face and upper body.

#plasticpositive - @draphiee cultivates an open attitude regarding cosmetical corrections. Although she knows that people eye her critically for her visual appearence and beauty ideal, it doesn´t distract her: "If you think I´m too much, better ask yourself whether you are enough." In this image Instagramer @draphiee receives an injection of hyaluronic acid to increase her lip volume by a specialized doctor. She is undergoing this treatment twice a year.

@ziteb.trainsurfing on Instagram

#fuckthesystem /// More and more trainsurfers promote their daredevil actions via social networking services and infuse them with political statements. Conflicts to the user's real life may occur as @ziteb.trainsurfing had to experience, which led to the decision to delete his profile in late 2018.

Selfie of @jezzicat.

#whatyoudontsee - With her eccentric appearance and life-affirming ways, @jezzicat at first seems like a carefree free spirit. But she often struggles with inner emptiness.

Image on @kinkybabybln's Instagram account. Point of view shot showing @kinkybabaybln's legs in solarium hashtagged with #summerworkout.

#summerworkout /// Nudity and ironic captions on Instagram are no longer universal recipes for success, as is shown by the unspectacular number of 43 followers currently enjoyed by @kinkybabybln.

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Das Meer

Vernissage am 28. August 2019 um 19 Uhr Ausstellung vom 29. August - 06. Oktober 2019

Foto: Stefan Kröger

 

Die Galerie ist auch am 3. Oktober für Sie geöffnet!

Das Meer ist Sehnsuchtsort und Problemfeld zugleich. Wild, gewaltig und geheimnisvoll. Voll von Mysterien, Rätseln und Geschichten. Über die Jagd nach einem weißen Wal, dem alten Mann und das Meer oder die Schatzinsel. Es löst in uns die widersprüchlichsten Gefühle aus: Angst und Freude, Ruhe, Fernweh und Begeisterung. Politik, Wissenschaft und Kultur entdecken mehr und mehr den hohen Stellenwert des Lebensraumes Meer, der 71 Prozent der Erdoberfläche ausmacht, von den Tropen bis hin zu den Polargebieten.

Nahrung und Energie, Klimaveränderungen, Verschmutzung, Flüchtende und Welthandel sind nur einige der Stichworte, die andeuten, wie sehr das Geschehen auf den Meeren Einfluss auf das Leben der Menschheit hat. Viele dieser Entwicklungen bedrohen die Meere, ihre Bewohner und die Menschen, die am Meer und vom Meer leben. Dabei ist das Meer die Lebensgrundlage einer wachsenden Weltbevölkerung. Weltweit decken 2,9 Milliarden Menschen 20 Prozent ihres Proteinbedarfs durch Fisch. Und das Klima auf der Erde wird im Wesentlichen von der Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Ozean bestimmt. Ohne das Meer können wir auf diesem Planeten nicht überleben.

Über Jahrhunderte hinweg haben die Arbeiter des Meeres, wie Victor Hugo sie in seinem gleichnamigen Roman nannte, das Leben an den Küsten der Meere geprägt. Mit Ihrer Arbeit und ihrer Kultur. Aber die Verschmutzung und Erwärmung des Meeres und der industrielle Fischfang entzieht den Fischern, Muschel- und Seetangsammlern allmählich die Lebensgrundlage. Alte Kulturen sterben aus. Heute bestimmt mehr und mehr der Tourismus das Leben in den Küstenorten.

In Kooperation mit der Zeitschrift mare, die im April 1997 das erste Mal erschien und seitdem für ihre Texte, Fotos und Grafik zahlreiche Auszeichnungen erhielt, widmet die Fotogalerie GAF eine Ausstellung dem Meer. Seiner Schönheit, seiner Bedrohung, seinen Kulturen, seinen Menschen. Zwölf Fotografinnen und Fotografen thematisieren ganz unterschiedlich in ihren Geschichten das Meer. In einer inhaltlichen Vielfalt, die der Breite des Themas Rechnung tragen soll, soweit es die räumlichen Möglichkeiten der GAF zulassen.

Die russische Fotografin Evgenia Arbugaeva hat in »Es war einmal in Sibirien« ihre sibirische Heimat am Rande des Nordpolarmeeres auf ungemein poetische Weise fotografiert. Die Wellenbilder des australischen Fotografen Ray Collins, veröffentlicht in der mare-Geschichte »Bilder die Wellen schlagen«, gleichen Skulpturen. Der Niederländer Jan Hoek persifliert in »Fake Pirates« die verzweifelte Suche westlicher Journalisten nach wirklichen Piraten. In »Watt für ein Vergnügen« zeigt der deutsche Fotograf Florian Manz das Duhner Wattrennen. Dem Fotografenpaar Heidi & Hans-Jürgen Koch ist es in »König des Eises« gelungen, Eisbären auf nie dagewesene Weise in Zoos zu fotografieren. »Strandvolks Begehren« der russischen Fotografin Oksana Yushko ist eine knallbunte Darstellung des Strandlebens am Schwarzen Meer. Die deutsche Fotografin Stefanie Silber hat in »Ein Sommer auf Süderoog« das stille Leben auf einer Hallig portraitiert. Der Italiener Massimo Berruti beschreibt in »Leben unmöglich« das Problem in Gaza Stadt, wo Salzwasser in das Grundwasser einsickert und die Trinkwasserversorgung gefährdet. »Der Bittgang« des deutschen Fotografen Martin Kim ist eine Auseinandersetzung mit dem Missbrauch von Inuit-Kindern durch katholische Priester in Alaska. Der Däne Joachim Ladefoged hat für seine Reportage »La Poile« den Alltag der Kabeljaufischer in Kanada fotografiert. »Der Pfuhl von Rio« ist die Geschichte des Italieners Dario De Dominicis über die Verschmutzung der Küste vor der brasilianischen Metropole. Für das »Kap der Ozeanografen« hat der deutsche Fotograf Stefan Kröger das renommierte Meeres-Forschungsinstitut Woods Hole an der Ostküste der USA besucht.

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Foto: Heidi & Hans-Jürgen Koch

 

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Foto: Evgenia Arbugaeva

 

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Foto:  Joachim Ladefoged

Men propose to be photographed by the sea with exotic animals like camel, crocodile and others. Azov sea, Fedotov spit, Ukraine, 2009. Photo by Oksana Yushko.

Foto: Oksana Yushko

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Foto: Florian Manz

 

Deutschland, Schleswig-Holstein, Hallig Süderoog, 2015 - Ein Sommer auf Süderoog Von wegen Stille. Ringelgänse, Knutts und Austernfischer schnattern Tag und Nacht. Wenn sich einer der riesigen Schwärme in den Himmel erhebt, wird es besonders laut. So wissen Nele Wree und Holger Spreer, dass sie mit ihren Schafen doch nicht ganz allein sind, so mitten im Meer. Seit über einem Jahr lebt das junge Paar in der Nordsee, im einzigen Haus auf Hallig Süderoog. »Kaum jemand dachte wohl, dass wir bleiben würden« erzählt Nele Wree lachend. »Aber wir haben jede Menge Pläne. Zum Erhalt alter Nutztierrassen züchten wir das Coburger Fuchsschaf und haben einen Antrag auf Anerkennung als Arche-Hof gestellt.« Als Angestellte des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz ist ihre Hauptaufgabe der Erhalt der 60 ha Halligland, die heute Vogelschutzgebiet sind und dem Land Schleswig-Holstein gehören. Blick von der Warft. FOTO: Stefanie Silber / HS HANNOVER BFO-108-01

Foto: Stefanie Silber

 

Aus: Mare no.85, April/Mai 2011. „Der Bittgang“ von Martin Lukas Kim.

Foto: Martin Lukas Kim

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Foto: Jan Hoek

 

Gaza, Apr 2015: Two students are chilling on the seaside after their annual exam at school. Sea water is heavily polluted due to the high rate of raw sewage outlets discharging directly to the sea.

Foto: Massimo Berruti

 

 

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Bergwelten

Peter Mathis Ausstellung vom 18. Juli - 18. August 2019

Bizarre Bergketten in feinsten Graustufen, Nebelschwaden, die ihre Umgebung auflösen und einen letzten Blick auf einen wuchtigen Gipfel freigeben, oder die gewaltige Lichtdramaturgie der Natur beim Aufziehen von Extremwetterlagen. Szenen wie diese hält der österreichische Fotograf Peter Mathis in seinen klassischen Schwarz-Weiß-Fotografien von Bergwelten mit der Kamera fest. Dabei geht es ihm um das Festhalten des einen, flüchtigen Augenblicks, der seinen Bergwelten jene Magie verleiht, die häufig der Einmaligkeit des Lichtes zu verdanken ist. Verbindet sich dieses magische Licht dann noch mit exzellenter Komposition und herausragender Printtechnik, dann entstehen Bilder, die weit über die bloße Abbildung von Natur hinausgehen. In ihrer Majestätik und Schönheit werden die steinernen Monumente in den Fotos auch zu einem Mahnmal für uns, den Betrachter. Denn mit dem Anwachsen des Bergtourismus sind die Bergwelten von den Alpen bis zum Himalaya stark gefährdet. Zu sehr haben Menschen dort bereits ihre Spuren hinterlassen.

Richtiger Standpunkt, richtige Perspektive und frühes Licht sind einige der Zutaten, aus denen in Peter Mathis Fotografien ausmachen. Mathis jahrzehntelange Erfahrungen im hochalpinen Bereich erlauben es ihm, bei fast jedem Wetter, in einsame Regionen der alpinen Welt vorzudringen. Oft steigt er schon den Tag vorher auf Skiern in den Berg, übernachtet im Zelt und ist bereit, wenn das früheste Morgenlicht ein einmaliges Bild offenbart. »Das ist wie Schatzsuche«, sagt er, »man weiß, was man sucht, findet aber manchmal etwas völlig anderes.« Den Einblick in das Naturschauspiel in ferner Höhe reduziert er auf den Bereich zwischen reinem Schwarz und reinem Weiß und lässt dadurch eine Welt entstehen, die sich aus klaren Linien, Formen, Kontrasten und dem nuancenreichen Spiel von hell-dunkel zusammensetzt. Dieser virtuose Umgang mit dem Medium verleiht den Bergen in seinen Bildern jene Erhabenheit, die ihre Größe und Einmaligkeit erkennen lässt.

Peter Mathis, geb. 1961, arbeitet seit 1986 als Fotograf. Die Leidenschaft für Extremsportarten verband er schon früh mit seiner fotografischen Profession. Für seine Outdoor- und Sportfotografie wurde er international bekannt. Seit 2009 widmet er sich verstärkt der Landschaftsfotografie. Die Auslotung der Gesetzmäßigkeiten der Schwarz-Weiß-Fotografie steht dabei im Mittelpunkt seines Schaffens. Für Seine Arbeiten erhielt er u.a. den Hasselblad Master und den Master of European Photography. Peter Mathis lebt und arbeitet in Hohenems in Österreich.

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