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Bis zum Horizont

von Emil Gataullin Eröffnung am 09. November 2016 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 10. November - 15. Januar 2017

»Er sieht, was andere übersehen würden. Er zaubert mit dem Nichts. Er schafft es, auch aus banalsten Alltagsszenen Bilder von besonderer Magie zu machen«, sagt Peter-Matthias Gaede, von 1994 bis 2014 Chefredakteur von Geo. »Der russische Fotograf Emil Gataullin, im Westen noch weithin unbekannt, ist ein Meister der poetischen Schwarz-Weiß-Fotografie, einer Fotografie, die an Henri Cartier-Bresson denken lässt. Sein Thema: das russische Dorf, das Leben fernab der großen Entscheidungen und Sensationen. Gataullins Werk ist zugleich Dokumentation wie fotografisches Gedicht, es tanzt auf dem Grat zwischen bewusster Kargheit und Zurückhaltung und zärtlicher Komposition. Gataullins Bilder sind weder verklärend noch zynisch. Sie sind eine Liebeserklärung an ein Russland, das jenseits von Moskau beginnt. Sie schreiben dem Betrachter nichts vor – und sind gerade deshalb so geheimnisvoll.«

Emil Gataullin ist ein russischer Monumental- und Freskomaler. Er studierte am V. Surikov Moscow State Academy Art Institute. Kurz nach der Jahrtausendwende begann er, sich für Fotografie zu interessieren, und fand im Fotografietheoretiker Alexander Lapin seinen Lehrer und Mentor. Seine Liebe gehört der Schwarz-Weiß-Fotografie mit zunehmend häufigeren Ausflügen zur Farbe. Emil Gataullin ist 44 Jahre alt und lebt in Korolyov bei Moskau.

Die Laudatio hält Peter-Matthias Gaede. Er war zehn Jahre lang Reporter des Magazins GEO, danach von 1994 bis 2014 dessen Chefredakteur. Gaede hat Russland bis in die Gulag-Region des sibirischen Magadan bereist und kennt Gataullins Werk auch als Juror des Alfred Fried Photography Awards 2014.
Parallel zur Ausstellungseröffnung erscheint in der Edition Lammerhuber der Bildband »Bis zum Horizont« mit einem Text von Peter-Matthias Gaede.

Kuratiert wird die Ausstellung von dem Österreicher Lois Lammerhuber, dem Verleger Emil Gataullins.

Sie finden eine Besprechung der Ausstellung unter folgendem Link:

http://www.ndr.de/kultur/kunst/niedersachsen/Emil-Gataullins-Fotos-in-der-GAF-Hannover,emilgataullin108.html

Die Ausstellung ist am 25. und 26. Dezember von 12 bis 18 Uhr geöffnet, ebenfalls am 1. Januar 2017 

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Afghanistan Endlos

Daniel Pilar Eröffnung am 07. September 2016 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 08. September - 30. Oktober 2016

Daniel Pilar hat den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan fotografiert, das er zwischen den Jahren 2007 und 2014 neunmal bereiste. Dabei lag sein Schwerpunkt neben der Bundeswehr auf der afghanischen Armee und der Bevölkerung.
Ausgelöst durch die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 begann die von Washington geführte militärische Intervention in Afghanistan. Die zielte darauf, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation Al-Qaida zu bekämpfen, die für den Terroranschlag verantwortlich gemacht wurde.

Verabschiedung zwischen einem Gefangenen (rechts) und einem Besucher in einer Zelle des Kabuler Zentralgefängnisses am 30.01.2010.

Fotos: Daniel Pilar

Die Bundesregierung beschloss daraufhin das Mandat “Operation Enduring Freedom“ zur Stabilisierung Afghanistans, das bis zum 31. Dezember 2014 immer wieder verlängert wurde. Damit beteiligten sich deutsche Soldaten an der ISAF (International Security Assistance Force).

Blick aus einem Fahrzeug (Wolf) der Bundeswehr in Kundus am 16.09.2013.

Der damalige Verteidigungsminister Peter Struck sagte im Rahmen der Überarbeitung der „Verteidigungspolitischen Richtlinien“, dass die „Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt“ werde. Damit führte er eine kontroverse gesellschaftliche Debatte herbei. Afghanistan wurde zum Exerzierfeld der deutschen Außenpolitik und des gewandelten Sicherheitsverständnisses der Bundesregierung. Anfangs ging es um die Stabilisierung der Sicherheit im Lande, die Ausbildung von afghanischen Polizeikräften und der sich im Aufbau befindenden afghanischen Armee; später geriet das Engagement immer mehr zu einem Kriegseinsatz.

Das Bewusstsein, die Sicherheit der Bundesrepublik am Hindukusch verteidigen zu müssen, führte bei einem großen Teil der deutschen Bevölkerung zu Unbehagen; dies Bewusstsein spürten indes auch Bürger in Uniform in Afghanistan selten. Vielmehr waren es wirtschaftliche, karrieristische und kameradschaftliche Gründe, die bei dem zu Höchstzeiten über 5300 Mann starken Kontingent der Soldaten zu hören waren. Auf die Frage nach der persönlichen soldatischen Motivation für den Einsatz waren ein Neuwagen, ein Eigenheim, kurz gesagt die Gefahrenzulage und die steigenden Chancen einer Beförderung die gängigen Antworten. Manche fühlten sich politisch und ideologisch fehl am Platz.

Soldaten der afghanischen National Armee (ANA) des Kandak in Hazrat e-Sultan bei einer Übung, bei der Leuchtspurgeschosse mit einem Mörser geschossen werden, in der Nähe des Feldlagers am 25.05.2012.

Seit Anfang 2015 ist die Bundeswehr mit einem veränderten Mandat weiterhin militärisch beratend tätig. Die Erfolge des Einsatzes sind jedoch anhand der Sicherheitslage und der Präsenz der Taliban kaum spürbar.
Daniel Pilar, 1976 in Langenhagen geboren, studierte Fotojournalismus an der Fachhochschule Hannover und arbeitet gebunden an die Frankfurter Allgemeine Zeitung als freiberuflicher Fotograf und Fotojournalist für verschiedene Verlage und Publikationen sowie Hilfsorganisationen.

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Die Gitans von Perpignan

Jesco Denzel Eröffnung am 27. Juli 2016 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 28. Juli - 04. September 2016

Die Arbeit des deutschen Fotografen Jesco Denzel zeigt das Leben der Gitans im Herzen der historischen Altstadt von Perpignan in Südfrankreich. Mit rund 8.000 Bewohnern ist das Viertel St. Jacques eine der größten Gitans-Gemeinden in Frankreich, und vor allem die einzige innerstädtische. Während in allen anderen Städten größere Siedlungen sesshafter Gitans an die Stadtränder gedrängt wurden, ist in den engen Gassen von St. Jacques eine lebendige Stadt in der Stadt entstanden. Es sind vor allem die Nachfahren spanischer Kalé, die im Laufe des 19. Jahrhunderts ins französische Katalonien auswanderten, die heute in St. Jacques leben, und sie haben noch immer starke Bindung an Spanien. Die Umgangssprache in St. Jacques heisst schlicht Gitan, ein etwas abgewandeltes Katalanisch. Fernab von romantischen Vorstellungen, die man mit mediterranem „Zigeunerleben“ verbinden mag, organisieren die Bewohner von St. Jacques ihr Leben auf eine Art und Weise, die ihren ordentlich-französischen Nachbarn oft suspekt erscheint: „Die arbeiten alle nicht“, ist das gängige Vorurteil. „Wenn ich mich irgendwo vorstelle und der Chef sieht, dass ich Zigeuner bin, kann ich gleich wieder gehen“, sagt ein Arbeitsloser aus dem Viertel. Hier zählen Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl und vor allem die Fähigkeit, sich irgendwie durchschlagen zu können. Denn Probleme gibt es reichlich – Arbeitslosigkeit, Drogen und Analphabetismus machen das Leben in St. Jacques bisweilen nicht einfach. Jesco Denzel, 1972 in Bremen geboren, hat seinen Magister in Politischer Wissenschaft gemacht, ehe er an der Hochschule Hannover Fotojournalismus studierte. Seit 2010 ist er offizieller Fotograf der Bundesregierung.

4259 / Die Gitans von St. Jacques: EUROPA, FRANKREICH, PYRENEES ORIENTALES, PERPIGNAN (EUROPE, FRANCE)

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»ZIGEUNER – Begegnungen mit einem ungeliebten Volk«

Der Journalist, Autor und Fotograf Rolf Bauerdick liest am Mittwoch, den 10. August um 19 Uhr in der GAF aus seinem provokanten Buch und diskutiert mit dem Publikum über seine Thesen.

Vorbehalte und Berührungsängste, nicht zuletzt ein Erbe des Nationalsozialismus, verstellen in Deutschland den Blick auf das Thema Zigeuner. Rolf Bauerdick hat eigene Erfahrungen gemacht. Über 25 Jahre auf weit mehr als einhundert Reisen in zwölf Länder begegnete er Menschen, die sich mit selbstverständlicher Unbefangenheit als „Zigeuner“ bezeichnen. 

Foto: Rolf Bauerdick

Mit kritischem Wohlwollen schildert Bauerdick den Alltag der Zigeuner. Weder beschönigt er ihre massive Diskriminierung noch entbindet er sie von ihrer Eigenverantwortlichkeit. Er geht den Ursachen einer dramatischen Verelendung und der Zunahme ethnischer Konflikte auf den Grund, frei von dem Vorurteil, dass die einen immer Opfer, die anderen immer die Täter sind.

Porträt_RB_Tim Marquardt

Rolf Bauerdick, geboren 1957, lebt in Hiddingsel im Münsterland. Nach dem Studium der  Literaturwissenschaft und Theologie wurde er Journalist. Er hat Reportagereisen in rund sechzig Länder unternommen; seine Text- und Bildreportagen erscheinen in europäischen Tageszeitungen und Magazinen und sind vielfach 
ausgezeichnet.