Allgemein

Hure oder Heilige – Frau sein in Italien

Franziska Gilli (Fotografie) und Barbara Bachmann (Text) Ausstellung vom 14. Juli - 21. August 2022
Eröffnung am 13. Juli um 19 Uhr
Buchvorstellung am 15. Juli um 18 Uhr

In wenigen Ländern Europas sind derart festgefahrene weibliche Stereotype so weit verbreitet wie in Italien. Lasziv tanzen junge Frauen durchs Hauptabendprogramm, seit mittlerweile 65 Jahren. Tragen freizügige Kostüme und starkes Make-up, eine Ausnahme wer keine schönheitsmedizinischen Eingriffe hat machen lassen. Die Mutter ist Ikone, gleichzeitig wird im Land der Kavaliere und Charmeure im Durchschnitt alle drei Tage eine Frau, meist von ihrem Partner, ermordet.

Italien ist ein Land, in dem eine Online-Zeitung titelt: „Carola Rackete ohne BH vor der Staatsanwaltschaft: die unerhörte Unverschämtheit, die vielen entgangen ist.“ Und in dem der ehemalige Innenminister Matteo Salvini twittert: „Ich schäme mich übrigens für diesen Sänger, der Frauen mit Huren vergleicht, die vergewaltigt, gekidnappt und wie Objekte behandelt werden. Das machst du bei dir zu Hause, nicht im Öffentlich-Rechtlichen und auch noch im Namen der italienischen Musik.“ Politiker der Neuen Rechten wie er schüren immer offener ihre Frauenfeindlichkeit. Da verwundert es nicht, dass die #metoo-Debatte nicht richtig aufgekommen ist, Italien schien nicht bereit zu sein für diese Auseinandersetzung. Im Gegenteil, patriarchale Strukturen wurden dadurch noch verhärtet.

Die dominierenden Pole sind zwei sich seit Jahrhunderten wiederholende Narrative. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein und bedingen sich doch: die Hure und die Heilige, Maria Magdalena und die Jungfrau Maria. Für die Fotografin Franziska Gilli und die Reporterin Barbara Bachmann war dies Anlass sich auf die Suche zu begeben. Danach, was es bedeutet eine Frau zu sein in dem Land, in dem auch sie aufgewachsen sind, wenngleich in einer deutschsprachigen Minderheit. Nach drei Jahren Recherche haben sie die Ergebnisse im Buch „Hure oder Heilige — Frau sein in Italien“ bei Edition Raetia veröffentlicht, welches beim Deutschen Fotobuchpreis 2021/22 in der Kategorie „Dokumentarisch-journalistisches Fotobuch“ mit Silber ausgezeichnet wurde und die Grundlage für die vorliegende Ausstellung bildet.

Diese setzt den Steoretypen Hure-Heilige Bilder aus der Realität entgegen. Und sie beschäftigt sich mit den Ursachen und Folgen des aktuellen Frauenbildes: Der Dominanz der katholischen Kirche, der Zeit des Faschismus, dem Einfluss des Unterhaltungsfernsehens in öffentlichen und privaten Sendern wie dem der Familie Berlusconi. Daneben existiert auch ein anderes Italien. Eines, das die widersprüchlichen Verhältnisse seit Jahrzehnten anprangert. Ein Italien, in dem immer mehr Frauen das Tabu der gewaltvollen Geburten brechen. Und sich in den vergangenen Jahren eine der lautesten, feministischen Bewegungen Europas gebildet hat: Non una di meno.

Ausstellungskonzept und -gestaltung: Lupo Burtscher
Produktion: Foto Forum, Bozen
Mit freundlicher Unterstützung von: Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst

Past

Von den Spuren einer Suche

Abschlussarbeiten des Studiengangs »Fotojournalismus und Dokumentarfotografie« der HS Hannover Ausstellung vom 23. Juni - 03. Juli 2022

Foto: Jan A. Staiger & Malte Uchtmann

Eröffnung am 22. Juni um 19 Uhr

Die Bachelorabsolvent*innen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie begeben sich in diesem Sommersemester auf Spurensuche und finden ganz individuelle Wege, die Spuren ihrer Suche im fotografischen Medium sichtbar zu machen.

So folgt Carsten Kalaschnikow mit seinem Projekt ‚Bakunawa‘ den Spuren vorkolonialer Mythen auf den Philippinen. Das Projekt ist eine Auseinandersetzung sowohl mit dem Fremden als auch mit dem Bekannten, denn die Mutter des Fotografen wurde auf den Philippinen geboren und sozialisiert.

Khalid Aziz spürt den Namen von WLANs (SSID) nach, um die Menschen dahinter zu finden und sie mithilfe eines Porträts und einer Fotografie aus ihrem persönlichen Wohnraum zu enträtseln.

Mit der Rückkehr zum Mond und den damit zusammenhängenden Forschungen beschäftigt sich Susanne Baumann. Im Zentrum ihres Projekts steht ein simulierter Mondaufenthalt, den die Fotografin als ‚Analog-Astronautin‘ begleiten durfte.

Jan Nasemann widmet sein Filmprojekt dem Prozess der Propriorezeption, die uns die Mobilität im Raum sichert und den wenig bekannten, aber lebensnotwendigen Sinn über die Lage des eigenen Körpers im Raum beschreibt.

Unter dem Titel ‚Der stille Himmel‘ geht Philip Bartz dem Verschwinden der Wildvögel nach. Hierzu dokumentiert er die Arbeit des Komitees gegen den Vogelmord, eines europaweit agierenden Vereins, der sich dem Schutz der Zugrouten von Zugvögeln verschrieben hat.

Gustav Lorenz begleitet eine Gruppe junger Erwachsener am äußersten Stadtrand von Freiburg auf ihrer Suche nach einer anderen Form des Zusammenlebens. Der Ort, den er findet, ist kein utopischer, der sich nie erreichen lässt, sondern vielmehr ein Sehnsuchtsort, der sich zwischen Idealen und gesellschaftlichen Anforderungen manifestiert.

In vielen Arbeiten wird ein Verschwimmen der Grenze zwischen Fiktion und Realität spürbar. So nimmt etwa das Gemeinschaftsprojekt ‚Das perfekte Verbrechen: Zur Ermordung der Realität‘ von Jan A. Staiger und Malte Uchtmann die Allgegenwärtigkeit des fiktiven Mords im deutschen Krimi zum Ausgangspunkt, um zu untersuchen, inwiefern vermeintliches Wissen über Kriminalität und Polizeiarbeit durch fiktionale Darstellungen entsteht.

 

Gezeigt werden Arbeiten von:

Khalid Aziz

Philip Bartz

Susanne Baumann

Carsten Kalaschnikow

Gustav Lorenz

Jan Nasemann

Jan A. Staiger

Malte Uchtmann

Past

Im Pott

Brigitte Kraemer Ausstellung vom 05. Mai - 12. Juni 2022

Die Nähe zum Menschen war schon immer das, was Brigitte Kraemer interessierte und da war ihr das Ruhrgebiet, aus dem sie stammt und dessen Sprachkolorit die 67-jährige bis heute nicht abgelegt hat, als Arbeitsfeld viel gelegener als andere, vielleicht fotogenere Gegenden. Denn hier kennt sie sich aus und hier fühlt sie sich den Menschen nahe, die sie  fotografiert.

Und noch eines kam ihr bei der Konzentration auf das Ruhrgebiet entgegen. Im Ruhrgebiet aber, wo sich die Orte mit ihren insgesamt 5,1 Millionen Einwohnern aneinander  drängen wie Urlauber am Badestrand, da gibt es so viele Museen, Galerien, Kommunen, Kultureinrichtungen, Stiftungen usw., dass Sie immer Abnehmer für ihre zumeist frei produzierten und selbstgewählten Themen findet.

Man kann die Art und Weise, mit der Brigitte Kraemer ihre Bilder fotografiert, mit Fug und Recht »klassisch« nennen. Zumeist mit der Leica aufgenommen und einem 35mm-Objektiv. Und immer nahe dran, gemeint im doppelten Sinn der Worte. Dabei ist ihre Nähe zu den Protagonisten aber nicht nur eine Frage räumlicher Distanz, sondern vor allem emotionaler Verbundenheit. In ihren Bildern wird deutlich was Annie Leibowitz meinte, als sie sagte: »Fotografie ist eine Liebesaffäre mit dem Leben.« Und das fotografiert Brigitte Kraemer, wo es sich anbietet, auch mit einem Augenzwinkern.

So entstanden ihre bekanntesten Arbeiten wie Mann und Auto, Am Kanal, Die Bude oder Camper im Ruhrgebiet, von denen Bilder in der GAF gezeigt werden. In ihnen gelingt ihr eine treffende Visualisierung der Menschen im Pott.

Brigitte Kraemer hat an der Folkwangschule für Gestaltung, Gesamthochschule Essen im Studiengang Visuelle Kommunikation studiert, u.a. bei Willy Fleckaus (Layout) und Angela Neuke (Fotografie). Von 1983 bis 1991 war sie mit Michael Wolf, Wolfgang Staiger und Marc Izikowitz Gesellschafterin der Fotografenagentur »Antrazit«. Seit 1982 ist sie als freie Fotografin im Ruhrgebiet tätig. In ihrem langen Berufsleben erhielt sie für ihre Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen, u.a. zwei LeadAwards in Gold und Silber für die stern-Reportage »Auf ein neues Leben« im Jahre 2005 und für »Mann und Auto« den Fotobuchpreis 2008.