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Polen – zwischen Traum und Wirklichkeit

Zehn Fotografen zeigen ihre Sicht auf den polnischen Traum Eröffnung am 12. November 2014 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 13. November - 11. Januar 2015

„Ich klage nicht, dass ich fast dreißig Jahre im Kommunismus gelebt habe” – sagte zum 25. Jahrestag des polnischen Runden Tisches Andrzej Stasiuk, einer der populärsten polnischen Schriftsteller. „Mit der naiven Überzeugung, dass nicht das Geld die Welt regiert, sondern die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sind wir in die ökonomische Hölle geraten”.
Im Jahr 1989 waren die Vorstellungen und Träume der Polen tatsächlich andere. Der westliche Wohlstand schien zum Greifen nahe und in Polen verbreitete sich die Hoffnung, dass Diktatur und Beschränkung endlich ein Ende haben würden. Die Polen rechneten damit, dass die Zukunft besser werden müsse, als das, was war: ein polnischer Traum war geboren, wenn er auch auf individueller Ebene unterschiedlich aussah. Was ist aus diesem Traum geworden?

Zehn polnische Fotografen setzen sich in der Ausstellung mit dieser Frage auseinander.

Ausgangspunkt ist die Arbeit Ansichten, Nachsichten von Witold Krassowski. Die politische Wende 1989 überraschte die, die so lange auf sie gewartet hatten. „Von diesem Moment an war nichts wie früher“ – schrieb die damals größte polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Krassowskis Arbeit zeigt flüchtige Momente der beginnenden Umbruchstimmung. Es ist ein Bild Polens, von dem heute, nach 25 Jahren, fast keine Spur geblieben ist. Was hat sich bis heute verändert?

Das Thema Selbstverwirklichung wurde schnell zu einem breiten Phänomen mit allgemeiner Zustimmung. Massenveranstaltungen blühten auf, jeder konnte endlich dem Bedürfnis nachgehen, seiner eigenen Individualität Ausdruck zu verschaffen. Minderheiten traten aus dem Schatten heraus. Die Fotografen Agnieszka Rayss und Bartosz Dziamski zeigen in ihren Arbeiten Subkulturen, die sich entgegen gängiger Normen und Konventionen selbst verwirklichen.

Ein weiterer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage, welche Träume nicht wahr geworden sind. Entgegen der Erwartung, dass der Wohlstand jeden in Polen erreicht, leben heute viele Menschen in Armut. Damit setzt sich der Fotograf Maciej Pisuk in seiner Arbeit über den Stadtteil Praga in Warschau auseinander, eine der ärmsten Gegenden der Stadt. Pisuk, der selbst dort lebt, beschreibt es mit den Worten: „viele Familien leben hier in äußerst schlechten Bedingungen, ohne Bad, Zentralheizung, mit einer für mehrere Familien gemeinsamen Toilette im Flur.”

Im Kontrast dazu steht die Entwicklung, dass die Anzahl der Einkaufszentren pro Einwohner in Polen kontinuierlich steigt. Dieser allumfassende Kommerz ruft jedoch immer stärker um sich greifende Reaktionen und Widersprüche hervor. Die Danziger Werft, die Michał Szlaga fotografiert hat, war zweihundert Jahre lang Grundlage für den Wohlstand der Stadt. Sie schuf Arbeitsplätze für Tausende von Menschen und bildete einen festen Bestandteil der städtischen Landschaft. Die neuen Marktgesetzte, die seit 25 Jahren gelten, sind der Werft zum Verhängnis geworden. Sie wurde nach und nach geschlossen. Heute sind von 17 000 Beschäftigten gerade noch 1300 geblieben.

Gezeigt werden Arbeiten von: Agnieszka Rayss, Grzegorz Dembiński, Bartosz Dziamski, Mariusz Forecki, Arek Gola, Witold Krassowski, Maciej Pisuk, Filip Springer, Paweł Supernak und Michał Szlaga.

Die Ausstellung ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut proFotografia in Polen und wurde kuratiert von Monika Piotrowska.

zur Website von proFotografia:      profotografialogo

 

 

Die Ausstellung wird unterstützt von:

 

Samorząd Województwa Wielkopolskiego

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Foto: Michał Szlaga

 

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Foto: Filip Springer

 

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Foto: Bartosz Dziamski

 

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Foto: Witold Krassowski

 

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Foto: Agnieszka Rayss

 

 

 

Past

Fifty/Fifty Mississippi meets FSA

Ein Fotoessay von Henning Bode im Dialog mit FSA-Fotografien der Sammlung "American Photographs" Eröffnung am 24. September 2014 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 25. September - 02. November 2014

Im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Hochschule Hannover reiste der Hamburger Fotograf Henning Bode im Frühjahr 2012 über zwei Monate durch das Mississippi-Delta.

Das Mississippi-Delta, ein durch den Agraranbau geprägtes Land an dem Fluss Mississippi, ist – fernab jeglicher Südstaaten-Romantik – eine der ärmsten Regionen der USA. Noch immer prägen Holzhütten, Ackerbau und Fischzucht die Landschaft. Im Delta-Gebiet verdichten sich die gesellschaftlichen Missstände der gesamten USA. So sind auf den riesigen Plantagen fast ausschließlich GPS-gesteuerte Maschinen zu sehen, Menschen findet man auf den Feldern kaum noch an.

Henning Bode kombiniert in seiner Arbeit „Die Kinder des King-Cotton” verschiedene Bildsprachen, die dem Essay einen ungewöhnlichen Rhythmus geben. Dynamische Aufnahmen aus dem Alltag der Bevölkerung kombiniert er mit ruhigen und kontrollierten Portraits. Eine stilistische Herangehensweise, die in den 30er und 40er Jahren durch eine kleine Gruppe Fotografen bekannt geworden ist.

Walker Evans und Dorothea Lange waren zwei von insgesamt über einem Dutzend Fotografen, die für die Farm Security Administration dokumentierten, wie es der Landbevölkerung erging. Unter Roy Striker sollten die Bilder dazu dienen einem Teil der ländlichen Bevölkerung, der verteilt und jenseits jeder medialen Wahrnehmung existierte, Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Hoffnung war, dass Bauern sich unter Regierungsanweisung zusammenschließen und mit moderneren Technologien von der vorhergegangen Dürre erholen um zukünftig effizienter arbeiten.

In diesem Zusammenhang werden den Arbeiten von Henning Bode ausgewählte FSA-Fotografien – u. a. von Walker Evans – aus dem Bestand der norddeutschen Privatsammlung „American Photographs“ gegenübergestellt.

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Willie Huston, Jonestown, Coahoma County, 2012

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Penny Auction, Anguilla, Sharkey County, 2012

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Pat Thomas und sein „Highway 61 Blues Museum“, Leland, Washington County, 2012

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Clarksdale, Coahoma County No., 2012

 

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© Walker Evans, New Orleans ́ Garage Mechanic, Louisana, März 1936, Library of Congress, LC-USF 342 TOI 8075

 

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© Walker Evans, Mississippi River Steamboat. Ferry and wharf goods, Vicksburg, Mississippi, Februar 1936, Library of Congress, LC-USF 342 TOI 1301

 

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© Walker Evans, Roadside View, Alabama Coal Area Company Town, Miners ́ houses near Birmingham, Alabama, 1936, Library of Congress, LC-F 342 TOI 1156

 

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© Walker Evans, Church Interior, Alabama or Tennessee, 1936; Library of Congress, LC-USF 342 TOI 8285

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Andreas Meichsner

Fotos aus »The Beauty of Serious Work« und »Alles in Ordnung« Eröffnung am 02. Juli 2014 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 03. Juli - 14. September 2014

Für sein Buch »The Beauty of Serious Work« fotografierte Meichsner eine Serie von Versuchsanordungen der Sicherheitstests beim TÜV Rheinland. In der auf den ersten Blick vor allem humorvoll anmutenden Arbeit setzt sich Meichsner mit unserem allgegenwärtigen Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung auseinander.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Auswahl von Fotografien Meichsners aus dem 2011 erschienenen Fotobuch „Alles in Ordnung“, das vom organisierten Club-Urlaub erzählt. Losgelöst vom Alltag sind Touristen auf der Suche nach Abwechslung. Schnell finden sie sich aber in einer Situation wieder, die nur als paradox beschrieben werden kann. Der Urlaub, als räumlich und zeitlich begrenztes Erlebnis von Freiheit, wird selbst zum Ausgangspunkt enger Regulierungen und Strukturen.

Andreas Meichsner studierte Fotografie an der Hochschule Hannover (Diplom 2006) und lebt und arbeitet seit 2004 in Berlin.

„The Beauty of Serious Work“ wurde mit dem Sony World Photography Award 2013, dem Punkt Award, dem Preis der Deutschen Akademie der Technikwissenschaft, dem GRAIN/FORMAT Award und dem Paul Hill-Preis ausgezeichnet. Außerdem wurde seine Arbeit auf dem Recontres d’Arles- und dem F/stop-Festival in Leipzig gezeigt.

Die Einführungsrede hält Ulf Erdmann Ziegler, einer der bekanntesten deutschen Fototheoretiker und -kritiker.

»The Beauty of Serious Work«

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Aus der Serie 'Schneetreiben'