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Bachelor 2015|1

Hochschule Hannover, Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie Eröffnung am 21. Januar 2015 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 22. Januar - 04. Februar 2015

Zum ersten Mal zeigt die GAF in diesem Jahr die Abschlussarbeiten des Studienganges Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover. Zweimal im Jahr präsentieren die Bachelor-Absolventen zukünftig ihre Abschlüsse in der GAF. Damit möchten wir auch der hannoverschen Öffentlichkeit die Abschlüsse eines Studiengangs zeigen, der auf seinem Gebiet zu den besten der Welt zählt. Während den Ausstellungswochen ist die Galerie ausnahmsweise jeden Tag von 10:00 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.

Florian Müllers in Schwarzweiß fotografierte Arbeit »The Candy Crush Project« zeigt Fetischisten: Menschen, die sich als Hunde oder Pferde verkleiden, sich gefesselt an die Decke hängen oder komplett in Verpackungsfolie einwickeln lassen. Es ist, wie der stern schreibt (Nr.47), »ihre Art sich zu entspannen und Erfüllung zu empfinden, vielleicht sogar Glück.« Dabei stammen sie aus allen sozialen Schichten. Um genug Protagonisten für seine Arbeit zu gewinnen, schrieb Müller hunderte von Mails, führte unzählige Telefonate und reiste 7.000 Kilometer durch die Republik.
Gabriel Poblete Youngs Reportage ist der Wasserproblematik in der peruanischen Hauptstadt Lima gewidmet, in der es niemals regnet. Die in einer der trockensten Wüsten der Erde gelegene Metropole muss aus den nahen Anden mit Trinkwasser versorgt werden. Über eine Millionen Menschen leben ohne Anschluss an das Trinkwassernetzt der stetig wachsenden Stadt. Wasser ist ein knappes und daher kostbares Gut. Viele Menschen müssen es kaufen. Wer sich keines leisten kann und es aus verschmutzen Brunnen holt, geht ein gesundheitliches Risiko ein. Alternative Wasserquellen, wie die Segel der Nebelfänger, können nicht genug Wasser liefern.
Die Studentin Verena Müller stellt in ihrer Arbeit Milena vor, ein 16-jähriges Mädchen mit Down-Sydnrom. In Deutschland werden über 90 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben. Seit 2012 gibt es einen neuen Test in der Pränataldiagnostik, der eine risikofreie vorgeburtliche Diagnostik des Down-Syndroms ermöglicht. Es ist zu erwarten, dass die Abtreibungsrate noch weiter ansteigt. Mit ihren Fotos gibt die Fotografin dem Betrachter einen Einblick in das Leben eines Menschen mit Down-Syndrom.
Natalie Becker zeigt auf einer Website Multimedia-Portraits von Menschen, die in dem Biosphärenreservat Schwäbische Alb leben und arbeiten.
Lisa Morgenstern hat die schwarzen Immigranten fotografiert, die Tag für Tag und bei jedem Wetter im Görlitzer Park in Berlin herumhängen und auf Kundschaft warten. Sie haben sich dort einen Lebensraum geschaffen, der für sie mehr bedeutet als nur ein guter Platz zum Dealen mit Drogen.
»Zeit und Zufall« ist der Titel von Marius Maasewerds Arbeit, die in sequenziellen Kurzgeschichten des Alltags flüchtige Momente festalten möchte. Mit dem Blick auf den eigenen Raum wird der Versuch zu einer neuen Erzählweise gewagt.
Simon Peters Arbeit »Three – Berlin« ist ein Stadtportrait Berlins, mit Fokus auf die dort lebenden Menschen. Der Kern des Projekts ist die Serie »Contact«. In der Berliner U-Bahn hat er Menschen beim ersten Augenkontakt fotografiert. Die Anonymität unserer Gesellschaft, in der Augenkontakte eher gemieden werden, wird dem Betrachter so vor Augen geführt. Die Fotografien sind eine Auseinandersetzung über die Beziehung der Menschen zueinander. Sie zeigt, wie nah und doch fern man sich letztendlich in den Großstädten Deutschlands ist.
Kiên Hoàng Lê hat ein Fotobuch gemacht, das Einblick in eine heterogene Gruppe aus Künstlern, Musikern, Crossdressern und Transgender gibt, die in der Bar „Suna no shiro“ in Tokio zusammenkommen.
Nick Neufeld fotografiert Mixed Martial Arts – kurz MMA. Das sind Kämpfe, die oftmals blutig sind und in einem achteckigen Käfig ausgetragen werden. Zwei Kampfsportler treten gegeneinander an und versuchen sich mit Tritten, Schlägen, Ellenbogen- und Kniestößen zu besiegen.
Die Arbeit »zzZz« ist von Karoline Tiesler und handelt vom Schlafen. In ihrer Arbeit erforscht sie Absurdes, wendet sich an die Wissenschaft, stellt persönliche Fragen und sammelt Zeugnisse des Schlafes.
Mensch Cyberspace. Für die Arbeit „leaving surface“ bewegt sich Jens Gyarmaty durch die virtuellen Räume von Computerspielen.

 

Das Titelbild ist von Florian Müller.

 

Foto von Gabriel Poblete Young

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Foto von Lisa Morgenstern

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Foto von Nathalie Becker

Foto von Verena Müller

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Foto von Simon Peters

Suna no shiro - Schloss aus Sand

Foto von Kiên Hoàng Lê

Nick Neufeld - MMA

Foto von Nick Neufeld

Marius Maasewerd - Zeit und Zufall

Foto von Marius Maasewerd

Jens Gyarmaty

Foto von Jens Gyarmaty

Karoline Tiesler

Foto von Karoline Tiesler

 

 

 

 

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Polen – zwischen Traum und Wirklichkeit

Zehn Fotografen zeigen ihre Sicht auf den polnischen Traum Eröffnung am 12. November 2014 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 13. November - 11. Januar 2015

„Ich klage nicht, dass ich fast dreißig Jahre im Kommunismus gelebt habe” – sagte zum 25. Jahrestag des polnischen Runden Tisches Andrzej Stasiuk, einer der populärsten polnischen Schriftsteller. „Mit der naiven Überzeugung, dass nicht das Geld die Welt regiert, sondern die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, sind wir in die ökonomische Hölle geraten”.
Im Jahr 1989 waren die Vorstellungen und Träume der Polen tatsächlich andere. Der westliche Wohlstand schien zum Greifen nahe und in Polen verbreitete sich die Hoffnung, dass Diktatur und Beschränkung endlich ein Ende haben würden. Die Polen rechneten damit, dass die Zukunft besser werden müsse, als das, was war: ein polnischer Traum war geboren, wenn er auch auf individueller Ebene unterschiedlich aussah. Was ist aus diesem Traum geworden?

Zehn polnische Fotografen setzen sich in der Ausstellung mit dieser Frage auseinander.

Ausgangspunkt ist die Arbeit Ansichten, Nachsichten von Witold Krassowski. Die politische Wende 1989 überraschte die, die so lange auf sie gewartet hatten. „Von diesem Moment an war nichts wie früher“ – schrieb die damals größte polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Krassowskis Arbeit zeigt flüchtige Momente der beginnenden Umbruchstimmung. Es ist ein Bild Polens, von dem heute, nach 25 Jahren, fast keine Spur geblieben ist. Was hat sich bis heute verändert?

Das Thema Selbstverwirklichung wurde schnell zu einem breiten Phänomen mit allgemeiner Zustimmung. Massenveranstaltungen blühten auf, jeder konnte endlich dem Bedürfnis nachgehen, seiner eigenen Individualität Ausdruck zu verschaffen. Minderheiten traten aus dem Schatten heraus. Die Fotografen Agnieszka Rayss und Bartosz Dziamski zeigen in ihren Arbeiten Subkulturen, die sich entgegen gängiger Normen und Konventionen selbst verwirklichen.

Ein weiterer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage, welche Träume nicht wahr geworden sind. Entgegen der Erwartung, dass der Wohlstand jeden in Polen erreicht, leben heute viele Menschen in Armut. Damit setzt sich der Fotograf Maciej Pisuk in seiner Arbeit über den Stadtteil Praga in Warschau auseinander, eine der ärmsten Gegenden der Stadt. Pisuk, der selbst dort lebt, beschreibt es mit den Worten: „viele Familien leben hier in äußerst schlechten Bedingungen, ohne Bad, Zentralheizung, mit einer für mehrere Familien gemeinsamen Toilette im Flur.”

Im Kontrast dazu steht die Entwicklung, dass die Anzahl der Einkaufszentren pro Einwohner in Polen kontinuierlich steigt. Dieser allumfassende Kommerz ruft jedoch immer stärker um sich greifende Reaktionen und Widersprüche hervor. Die Danziger Werft, die Michał Szlaga fotografiert hat, war zweihundert Jahre lang Grundlage für den Wohlstand der Stadt. Sie schuf Arbeitsplätze für Tausende von Menschen und bildete einen festen Bestandteil der städtischen Landschaft. Die neuen Marktgesetzte, die seit 25 Jahren gelten, sind der Werft zum Verhängnis geworden. Sie wurde nach und nach geschlossen. Heute sind von 17 000 Beschäftigten gerade noch 1300 geblieben.

Gezeigt werden Arbeiten von: Agnieszka Rayss, Grzegorz Dembiński, Bartosz Dziamski, Mariusz Forecki, Arek Gola, Witold Krassowski, Maciej Pisuk, Filip Springer, Paweł Supernak und Michał Szlaga.

Die Ausstellung ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut proFotografia in Polen und wurde kuratiert von Monika Piotrowska.

zur Website von proFotografia:      profotografialogo

 

 

Die Ausstellung wird unterstützt von:

 

Samorząd Województwa Wielkopolskiego

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Foto: Michał Szlaga

 

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Foto: Filip Springer

 

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Foto: Bartosz Dziamski

 

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Foto: Witold Krassowski

 

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Foto: Agnieszka Rayss

 

 

 

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Fifty/Fifty Mississippi meets FSA

Ein Fotoessay von Henning Bode im Dialog mit FSA-Fotografien der Sammlung "American Photographs" Eröffnung am 24. September 2014 um 19:00 Uhr Ausstellung vom 25. September - 02. November 2014

Im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Hochschule Hannover reiste der Hamburger Fotograf Henning Bode im Frühjahr 2012 über zwei Monate durch das Mississippi-Delta.

Das Mississippi-Delta, ein durch den Agraranbau geprägtes Land an dem Fluss Mississippi, ist – fernab jeglicher Südstaaten-Romantik – eine der ärmsten Regionen der USA. Noch immer prägen Holzhütten, Ackerbau und Fischzucht die Landschaft. Im Delta-Gebiet verdichten sich die gesellschaftlichen Missstände der gesamten USA. So sind auf den riesigen Plantagen fast ausschließlich GPS-gesteuerte Maschinen zu sehen, Menschen findet man auf den Feldern kaum noch an.

Henning Bode kombiniert in seiner Arbeit „Die Kinder des King-Cotton” verschiedene Bildsprachen, die dem Essay einen ungewöhnlichen Rhythmus geben. Dynamische Aufnahmen aus dem Alltag der Bevölkerung kombiniert er mit ruhigen und kontrollierten Portraits. Eine stilistische Herangehensweise, die in den 30er und 40er Jahren durch eine kleine Gruppe Fotografen bekannt geworden ist.

Walker Evans und Dorothea Lange waren zwei von insgesamt über einem Dutzend Fotografen, die für die Farm Security Administration dokumentierten, wie es der Landbevölkerung erging. Unter Roy Striker sollten die Bilder dazu dienen einem Teil der ländlichen Bevölkerung, der verteilt und jenseits jeder medialen Wahrnehmung existierte, Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Hoffnung war, dass Bauern sich unter Regierungsanweisung zusammenschließen und mit moderneren Technologien von der vorhergegangen Dürre erholen um zukünftig effizienter arbeiten.

In diesem Zusammenhang werden den Arbeiten von Henning Bode ausgewählte FSA-Fotografien – u. a. von Walker Evans – aus dem Bestand der norddeutschen Privatsammlung „American Photographs“ gegenübergestellt.

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Willie Huston, Jonestown, Coahoma County, 2012

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Penny Auction, Anguilla, Sharkey County, 2012

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Pat Thomas und sein „Highway 61 Blues Museum“, Leland, Washington County, 2012

 

Die Kinder des King Cotton _ Ein Essay ueber das Mississippi Delta

© Henning Bode, “Fifty/Fifty Mississippi”, Clarksdale, Coahoma County No., 2012

 

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© Walker Evans, New Orleans ́ Garage Mechanic, Louisana, März 1936, Library of Congress, LC-USF 342 TOI 8075

 

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© Walker Evans, Mississippi River Steamboat. Ferry and wharf goods, Vicksburg, Mississippi, Februar 1936, Library of Congress, LC-USF 342 TOI 1301

 

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© Walker Evans, Roadside View, Alabama Coal Area Company Town, Miners ́ houses near Birmingham, Alabama, 1936, Library of Congress, LC-F 342 TOI 1156

 

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© Walker Evans, Church Interior, Alabama or Tennessee, 1936; Library of Congress, LC-USF 342 TOI 8285