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Schöne neue Welt

Jürgen Strasser Ausstellung vom 03. September - 11. Oktober 2020

Fotos: Jürgen Strasser

»Wer auch immer glaubt, dass Gewinnen nicht alles ist, der kennt Dubai nicht«. Dieser Stadtmarketing-Slogan begrüßt Besucher*innen bereits bei ihrer Ankunft am Flughafen. Dubai ist eine von insgesamt zehn Megastädten, die der Fotograf Jürgen Strasser seit 2013 zum Teil mehrfach bereist hat. Die Ausstellung »Schöne neue Welt« in der Galerie für Fotografie (GAF) in Hannovers Eisfabrik geht ab dem 3. September dem Phänomen der neuen wuchernden Metropolen nach. Sie richtet den Blick auf steingewordenen Fortschrittsglauben, auf die scheinbar immer gleichen Hochhausfassaden und Verkehrsnetze, aber auch auf die Visionen menschenwürdigen Massenwohnungsbaus.

Bangkok, Dubai, Hongkong, Kairo, Mumbai, Shanghai, Tokio – die Megastädte dieser Welt beeindrucken durch ihre kaum fassbaren Dimensionen und ihr scheinbar ungebremstes Wachstum. Diese und andere gigantische Städte sind dichte, instabile Bewegungsräume, die ihren Bewohner*innen und Besucher*innen immer neue Formen der Wahrnehmung, Orientierung und Anpassung abverlangen. Doch verschwinden die Bewohner*innen dieser Städte in den architektonischen Strukturen, die in erster Linie darauf angelegt sind, Menschenmassen unterzubringen, aber dem Lebensort kein charakteristisches Gesicht verleihen.

Schon 1516 stellte Thomas Morus in seinem Werk »Utopia« fest: »Wer eine kennt, kennt die anderen alle, so ähnlich sind sie untereinander, sofern nicht der Charakter der Örtlichkeit eine Änderung bedingt«. Und fast wörtlich verweist 2011 der renommierte niederländische Architekt Rem Koolhaas in einem Spiegel-Interview auf die »Generic City – Stadt ohne Eigenschaften«: »Diese unheimliche Vertrautheit. Als wäre man schon einmal dort  gewesen. War man aber nicht. Es sind all die vertrauten Bausteine, die immer wieder neu zusammengestellt werden.«

Der in Wiesbaden und Worpswede lebende Fotograf Jürgen Strasser spürt in seinen Fotografien der »Schönen neuen Welt nach.« In konzentrierter Form zeugen seine Stadtlandschaften von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüchen der wachsenden Weltbevölkerung und der stetigen Urbanisierung. Strassers Bilder führen vor, wie austauschbar und wenig ortstypisch Städteplanung in unserer Gegenwart ist und wie der Mensch in diesen gigantischen Stadtmaschinen in seiner Individualität immer weniger eine Rolle spielt.

Strasser richtet seinen grafisch geschulten Blick auf Strukturen, Flächen, Linien, Muster, Raster sowie auf die vertikale und horizontale Ausdehnung moderner Stadtarchitektur. In seinen Aufnahmen spitzt er die Wirklichkeit bewusst zu, überzeichnet, poetisiert und illustriert – eine eher objektive Bestandsaufnahme von Urbanität verwandelt sich in subjektive Bildwelten und lässt damit gleichzeitig Raum für die persönliche Wahrnehmung der Betrachter*innen.

»Diese Städteaufnahmen sind nicht vordergründige Zivilisationskritik oder Fortschrittsanklage. Der Betrachter darf sich von der Wucht der abgebildeten städteplanerischen und architektonischen Statements mitgenommen fühlen und aus seiner Wahrnehmung heraus eine Haltung entwickeln,« (Dr. Rainer Beßling, Kunstkritiker und Kulturjournalist, Syke)

©JürgenStrasser_Tokio

©JürgenStrasser_Shanghai

©JürgenStrasser_Kairo

©JürgenStrasser_Hongkong

©JürgenStrasser_Dubai

©JürgenStrasser_Bangkok