Past

Copacabana Palace

Vernissage am 14. Februar 2018 um 19 Uhr Ausstellung vom 15. Februar - 01. April 2018

„Das Paradies ist hier, die Hölle ist hier, Wahnsinn ist hier, Leidenschaft ist hier“. Die Aussage des brasilianischen Komponisten und Musikers Francis Himes über Rio de Janeiro wurde Peter Bauzas fotografisches Motto. Seine grandios einfühlsamen Bilder erzählen die Geschichten von Menschen, die in Copacabana Palace, diesem Moloch von „Wohnungsskeletten“ dennoch leben – „sem teto, sem terra“ – „ohne Dach und ohne Land“ –, von ihren alltäglichen Momenten der Freude und Trauer, von ihren Bedürfnissen und ihren Illusionen, aber auch von Schönheit und Stärke. Copacabana Palace lautet der sarkastische Nickname der in den 80er Jahren gebauten, aber niemals fertiggestellten Mittelstandsruine, dem das gleichnamige Luxushotel an der Copacabana unfreiwillig seinen Namen lieh. Knapp 60 Kilometer entfernt von Rio de Janeiro gelegen, ist ein typisches Beispiel für ein Leben, das von Millionen anderen Brasilianern unter den gleichen Umständen geteilt werden muss, während die Regierung eine ihrer schwersten politischen und wirtschaftlichen Krisen durchlebt und zugleich Milliarden für die Infrastruktur von weltweiten Sportevents ausgibt.

Etwa 300 Familien leben hier in sechs Häusern, insgesamt um die 1.000 Menschen, aber so genau weiss es niemand. Ohne fließendes Wasser, ohne richtiges Stromnetz und ärztliche Versorgung. Die Wohnungen sind feucht und haben keine Fenster und Türen. Überall stinkt es nach herumliegendem Müll.

In Peter Bauza´s vielfach preisgekrönter bildmächtiger Arbeit changiert die Welt des Copacabana Palace, die eigentlich ein Ort der Vorhölle ist, dennoch zwischen dem harten Kampf ums tägliche Dasein und der puren Lust aufs Leben. Mit seinen farbintensiven Bildern schafft es der Fotograf, keine reine Elendsgeschichte zu erzählen, fügt ihr auch poetische und zärtliche Momentaufnahmen des Alltags hinzu, findet Bilder der Lebensfreude der Menschen, fängt ihre Wünsche und Träume ein – ohne den lebensfeindlichen Ort dabei zu beschönigen.

Viel mehr geht es ihm um die Stärke dieser unfreiwilligen Solidargemeinschaft, die versucht, in mutiger Selbstbestimmung zu überleben. „Ich hatte das Bedürfnis, der Minderheit ein Gesicht, eine Stimme zu geben. Aber das sollte nicht voyeuristisch, sondern mit Würde geschehen“, so der Fotograf. Bauza begann sein Projekt, als mit den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele Milliarden für dieses Weltspektakel ausgegeben wurden. Nach anfänglicher Skepsis gelang es Bauza, das Vertrauen der Bewohner zu gewinnen und er konnte sich in den folgenden acht Monaten frei bewegen, so dass ihm diese intime Sichtweise gelang.

Peter Bauza verließ nach einem Abschluss als Kaufmann im Außenhandel sein Heimatland Deutschland und arbeitete für ein internationales Unternehmen in mehreren Ländern Lateinamerikas. Aus seiner Leidenschaft zur Fotografie wurde bald sehr viel mehr. Bauza begann eine ganz eigene Bildsprache zu entwickeln, die er später am Open College of the Arts in England zu seinem sehr persönlichen Stil verfeinerte. Mit seinem Einsatz für soziale und geopolitische Themen hofft er,  „jenen Menschen ein Gesicht und eine Stimme zu geben, die unsere Hilfe ganz dringend benötigen“. Peter Bauza zählt zu den engagiertesten und einfühlsamsten Fotografen unserer Zeit- seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, in zahlreichen Medien veröffentlicht und vielfach international ausgezeichnet. Seit über 20 Jahren lebt Peter Bauza in Lateinamerika und auf Reisen in aller Welt.

Die Ausstellung wird um eine Woche verlängert und ist somit bis zum 01. April 2018 in der GAF zu sehen!

Maria Eduarda is sitting in her simple bedroom that she shares with 4 more siblings. She don’t share only their rooms, they have also share the mattresses.

A baby is sleeping on the floor carpet. Most of the furniture is recycled and often to be paid by installments. Even knowing very well that squatting is illegal some of the people from “Jambalaya” (Copacabana Palace) try to make out of their occupied home a livable place.

Young Eduarda is sitting outside a window and observes the street happenings. She lives with her 7 siblings in one of the 6 never finished buildings of a supposed middle class condo project, not far away from Rio de Janeiro (60 kms), but still far enough to be hidden from our view. Erosion, corrosion, missing doors and windows, looting of pipes, cable and all removable parts led to the collapse of the buildings. Nevertheless, this is their home and shelter.

Edilane and 3 of her 7 kids (at the time of the shoot) are resting on a mattress on the floor. She is giving soon birth to a son. Despite all her problems and struggling often how to feed her kids next day, she is still positive about her life. Recently she was able to build up a very small and basic Internet store inside the buildings. Out of approx. 10 old computers she makes one for the store. This represents some 5 USD daily.

Candomblé, also called Macumba represents an afro-brazilean religions, often celebrated and practiced in secret. A group of dwellers are coming for a ceremony together. A participant is dancing to Afro-Brazilean rythm. They often over-consume alcohol to get into a trance.