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Quer zum Strom

Vernissage am 30. August 2017 um 19 Uhr Ausstellung vom 31. August - 08. Oktober 2017

»Quer zum Strom« lautet der Titel der Ausstellung des Hamburger Fotografen Jo Röttger nicht nur deshalb, weil eine seiner Landschaftsserien so heißt. Für die hat er zwei Jahre lang immer wieder von einem Standpunkt in Blankenese aus quer zum Strom über die Elbe hinweg in Richtung Finkenwerder Fotos gemacht. In seinen Bildern schippert gut ein Jahrhundert Schiffahrtsgeschichte an einem vorbei und so ziemlich alle Schiffstypen, die je eine Werft verlassen haben. Das allein ist schon faszinierend, aber einfach überwältigend ist die unentwegte Metamorphose des Flusses. Wetter und Jahreszeiten machen ihn zu einem Chamäleon, das je nach Gemütszustand sein Aussehen verändert.

Aber »Quer zum Strom« charakterisiert auch den Fotografen. Jo Röttger, 1954 geboren, hat bei Prof. Ulrich Mack in Dortmund studiert, wurde danach bald Vertragsfotograf des ZEITmagazins und prägte über Jahre hinweg die fotografische Marke des Magazins. Ebenso die des legendären Gruner+Jahr-Magazins Sports, das mit spannend fotografierten Hintergrundgeschichten um den Sport aufwartete. Auch seine inszenierten Portraits für das Managermagazin sorgten für Aufsehen und sie weckten das Interesse von Unternehmen. Als die Printmedien langsam den Weg in die Krise antraten, kam ihm dieses Interesse gerade recht und ebnete ihm den Weg zu Aufträgen für lukrative Geschäftsberichte. Doch der fotografische Querkopf und Überzeugungstäter Jo Röttger fotografierte neben Auftragsarbeiten immer wieder seine eigenen Themen, unabhängig davon, ob irgend ein Unternehmen, ein Verleger oder eine Redaktion daran Interesse signalisierte. Und er wechselte dabei auch immer wieder mal die fotografischen Genres. So entstand das Buch »Wilsons World« über den legendären Theatermacher Robert Wilson, die Serie »Quer zum Strom« und das Buch »Landscapes & Memory«. In großformatigen Tableaus hat Jo Röttger dafür die Bundeswehr bei Übungen und Manövern und bei ihrem Einsatz in Afghanistan fotografiert. Tatsächlich stellen sich bei Betrachtung der Bilder – und das war die Absicht des Fotografen – Parallelen ein zur Malerei der Romantik. Wo bei Caspar David Friedrich der Schäfer oder Wanderer das menschliche Zentrum seiner Gemälde bilden, sind es bei Röttger Soldaten in Uniform und Tarnverkleidungen, eingebettet in weite Landschaften und abgebildet in einer fotografischen Präzision, wie sie nur eine 5×8-Inch-Großformatkamera vom Schlage seiner hölzernen Deardorff liefert. Klein und fremd wirken die Soldaten in diesen Szenarien, als gehörten sie da eigentlich nicht hin.

Zu sehen sind in der GAF die Elblandschaften, Wilsons texanische Heimat aus »Wilsons World« und Landschafts-Tableaus aus »Landscapes & Memory«. Ein wenig aus dem Rahmen fallen die sehr persönlichen Bilder von Andrzej Wirth. DER TAGESSPIEGEL bezeichnete den polnisch-deutschen Theaterkritiker, Hochschulprofessor und Theaterwissenschaftler jüngst als »Berlins letzten Dandy«. Jo Röttger begleitete den neunzigjährigen Freund, der den Text zu seinem Wilson-Buch geschrieben hat, auf einer sentimentalen Reise in die Vergangenheit nach South Carolina, wo Wirth einst eine glückliche Zeit verbrachte. In diesen Fotos Röttgers mischen sich Portrait- und Landschaftsfotografie.

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Europe, germany, Hamburg, Blankenese, Strandweg, Elbe, Sitas Werft

USA, Texas, Wilson's World

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1.Afghanistan 018

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Europa, Deutschland, Berlin, ATW, 90ter Geburtstag,

USA, South Carolina, Pawleys Island,Pier 1, ATW,2017